Weihnachtsgedanken von Pfarrerin Susanne Richter

 

 

Veröffentlicht am 25. Dezember 2018

Über die Sehnsucht nach Heil und Frieden.

 

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An vielen Orten stehen die weihnachtlich geschmückten Tannenbäume, Glitzer oder Lichterketten tauchen vieles in Licht, was sonst im Dunkeln bleibt.

Zugleich hüllt es manches ein, was nicht so gerne gesehen und gezeigt wird - das Licht, aus dem das heilige und unendliche Licht Gottes aufscheint. Und wie sehr sehnen wir uns nach diesem Licht.

Weihnachten bringt uns Jahr für Jahr mit unserer Sehnsucht nach heilem, gelingendem Leben in Berührung. Einem Leben, in dem nicht das Vordergründige zählt, in dem nicht nach Hörensagen abgeurteilt wird und mit dem ersten Blick das vernichtende Urteil gesprochen wird: "So einer oder so eine bist du also ..."

Weihnachten bringt uns mit unserer Sehnsucht nach einem gerechten Leben in Berührung. Einem Leben, in dem auch die Schwächeren und Langsameren eine Chance haben. Einem Leben, in dem die Menschen einander ebenbürtig, auf Augenhöhe begegnen. Einem Leben, das nicht auf Kosten anderer geführt wird, wo es weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Weihnachten erinnert uns Jahr für Jahr an unsere Sehnsucht nach Heil und Frieden, dass alles Zwielichtige und Zweideutige verschwunden sein möge.

Vielleicht verspüren wir auch den Wunsch, noch einmal neu anfangen zu dürfen, frei von quälenden Zweifeln und unbelastet von dunklen Erfahrungen, noch einmal alle Möglichkeiten offen zu haben, gleich einem Kind, gleich diesem Kind in der Krippe - das ist unsere Lebenssehnsucht.

Es ist eine Sehnsucht, die die sich nicht mit dem Vorfindlichen abgibt, sondern von der Hoffnung auf Größeres lebt. Sie lebt von der Begegnung mit Gott, die unser Leben verwandelt.

Die Sehnsucht wartet auf das Wunder des neuen Lebens.

Die Bibel berichtet uns in einem wunderschönen Gedicht über diese Sehnsucht. Dieses Lied singt uns mitten ins Herz.

Es wird ein Mensch kommen, in dem Gottes Geist ganz und ungebrochen da ist. Dieser Mensch hat den Geist der Weisheit, den Geist des Verstandes, den Geist des Rates und den Geist der Stärke.

Dieser Mensch verändert die Welt. Er wagt das Neue mitten im Alten. Sein Antlitz sehen wir an Weihnachten in der Krippe.

Seine Liebe ist die Kraft, die Menschen verwandelt - aus einem toten Baumstumpf entsteht ein neues Reis des Lebens.

Dieser Mensch Jesus ist unser Bruder. Er innert uns daran, was wir in Wahrheit sind: Gottes Kinder. In uns allen will dieses Licht aufleuchten - gerade so, wie unser Leben ausschaut, strahlt unser göttliches Licht in diese Welt hinaus, wenn wir uns mit den himmlischen Kräften verbinden.

Dieses Licht zeigt uns auch die Schatten dieser Welt, unsere Schatten. Aber es verurteilt nicht, sondern heilt, bringt Frieden in die Wunden dieser Welt.

Widersprüchliches kann beieinander sein. Wolf und Lamm, Kalb und Löwe, Kinder und Schlangen - sie alle leben friedlich in einer Welt, machen sich nicht gegenseitig das Lebensrecht streitig.

Unsere Sehnsucht nach Frieden, nach ungebrochener Gemeinschaft ist mit Jesus in Erfüllung gegangen. Seine Liebe ist die Kraft, die in uns Menschen ist und uns und die Welt verwandeln kann - aus einem toten Baumstumpf wächst neues Leben.

Und doch leben wir noch in einer Welt, die uns wie ein toter Baumstumpf erscheint.
Und doch ist allem Augenschein zum Trotz neues Leben aufgebrochen.

Mitten im verwundeten Leben spüren wir in unserer Seele, wenn wir uns dafür öffnen, die Kraft dieses neuen Lebens. Klein, leicht zu übersehen, gefährdet zu zerfallen, aber: Es ist da
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Über die Sehnsucht nach Heil und Frieden.

 

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An vielen Orten stehen die weihnachtlich geschmückten Tannenbäume, Glitzer oder Lichterketten tauchen vieles in Licht, was sonst im Dunkeln bleibt.

Zugleich hüllt es manches ein, was nicht so gerne gesehen und gezeigt wird - das Licht, aus dem das heilige und unendliche Licht Gottes aufscheint. Und wie sehr sehnen wir uns nach diesem Licht.

Weihnachten bringt uns Jahr für Jahr mit unserer Sehnsucht nach heilem, gelingendem Leben in Berührung. Einem Leben, in dem nicht das Vordergründige zählt, in dem nicht nach Hörensagen abgeurteilt wird und mit dem ersten Blick das vernichtende Urteil gesprochen wird: "So einer oder so eine bist du also ..."

Weihnachten bringt uns mit unserer Sehnsucht nach einem gerechten Leben in Berührung. Einem Leben, in dem auch die Schwächeren und Langsameren eine Chance haben. Einem Leben, in dem die Menschen einander ebenbürtig, auf Augenhöhe begegnen. Einem Leben, das nicht auf Kosten anderer geführt wird, wo es weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Weihnachten erinnert uns Jahr für Jahr an unsere Sehnsucht nach Heil und Frieden, dass alles Zwielichtige und Zweideutige verschwunden sein möge.

Vielleicht verspüren wir auch den Wunsch, noch einmal neu anfangen zu dürfen, frei von quälenden Zweifeln und unbelastet von dunklen Erfahrungen, noch einmal alle Möglichkeiten offen zu haben, gleich einem Kind, gleich diesem Kind in der Krippe - das ist unsere Lebenssehnsucht.

Es ist eine Sehnsucht, die die sich nicht mit dem Vorfindlichen abgibt, sondern von der Hoffnung auf Größeres lebt. Sie lebt von der Begegnung mit Gott, die unser Leben verwandelt.

Die Sehnsucht wartet auf das Wunder des neuen Lebens.

Die Bibel berichtet uns in einem wunderschönen Gedicht über diese Sehnsucht. Dieses Lied singt uns mitten ins Herz.

Es wird ein Mensch kommen, in dem Gottes Geist ganz und ungebrochen da ist. Dieser Mensch hat den Geist der Weisheit, den Geist des Verstandes, den Geist des Rates und den Geist der Stärke.

Dieser Mensch verändert die Welt. Er wagt das Neue mitten im Alten. Sein Antlitz sehen wir an Weihnachten in der Krippe.

Seine Liebe ist die Kraft, die Menschen verwandelt - aus einem toten Baumstumpf entsteht ein neues Reis des Lebens.

Dieser Mensch Jesus ist unser Bruder. Er innert uns daran, was wir in Wahrheit sind: Gottes Kinder. In uns allen will dieses Licht aufleuchten - gerade so, wie unser Leben ausschaut, strahlt unser göttliches Licht in diese Welt hinaus, wenn wir uns mit den himmlischen Kräften verbinden.

Dieses Licht zeigt uns auch die Schatten dieser Welt, unsere Schatten. Aber es verurteilt nicht, sondern heilt, bringt Frieden in die Wunden dieser Welt.

Widersprüchliches kann beieinander sein. Wolf und Lamm, Kalb und Löwe, Kinder und Schlangen - sie alle leben friedlich in einer Welt, machen sich nicht gegenseitig das Lebensrecht streitig.

Unsere Sehnsucht nach Frieden, nach ungebrochener Gemeinschaft ist mit Jesus in Erfüllung gegangen. Seine Liebe ist die Kraft, die in uns Menschen ist und uns und die Welt verwandeln kann - aus einem toten Baumstumpf wächst neues Leben.

Und doch leben wir noch in einer Welt, die uns wie ein toter Baumstumpf erscheint.
Und doch ist allem Augenschein zum Trotz neues Leben aufgebrochen.

Mitten im verwundeten Leben spüren wir in unserer Seele, wenn wir uns dafür öffnen, die Kraft dieses neuen Lebens. Klein, leicht zu übersehen, gefährdet zu zerfallen, aber: Es ist da
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Unsere Sehnsucht ist der Anfang einer Veränderung unseres Alltags.

Öffnen wir uns dieser Kraft, lassen sie durch uns hindurchfließen und verströmen sie liebevoll, demütig, mutig und voller Hoffnung - versinnbildlicht in diesem Pilz, der aus dem abgestorbenen Baumstumpf wächst und unsere Sehnsucht nach Heilwerden, nach Frieden in dieser Welt, erinnert.

Lassen Sie uns dies in unserem eigenen Herzen erfahren. Dann ist Weihnachten.

Lichtvolle und friedvolle Weihnachten!


 

Unsere Sehnsucht ist der Anfang einer Veränderung unseres Alltags.

Öffnen wir uns dieser Kraft, lassen sie durch uns hindurchfließen und verströmen sie liebevoll, demütig, mutig und voller Hoffnung - versinnbildlicht in diesem Pilz, der aus dem abgestorbenen Baumstumpf wächst und unsere Sehnsucht nach Heilwerden, nach Frieden in dieser Welt, erinnert.

Lassen Sie uns dies in unserem eigenen Herzen erfahren. Dann ist Weihnachten.

Lichtvolle und friedvolle Weihnachten!



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Meditation von Pfarrerin Margot Lenz zur Feier des Totengedenkens am Ewigkeitssonntag

 

 

Veröffentlicht am 25. November 2018

Eine Meditation von Pfarrerin Margot Lenz anlässlich des Totengedenkens am Ewigkeitssonntag in der Aussegnungshalle auf dem Ehinger Friedhof.

 

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An diesem Ort des Abschiednehmens kommen wir zusammen - und es bewegen uns ganz unterschiedliche Empfindungen.

Für manche von uns ist es gerade ein paar Tage oder Wochen her, dass sie hier Abschied von einem vertrauten und geliebten Menschen genommen haben. Andere leben schon beinahe ein Jahr, oder noch länger, ohne die ihnen vertrauten Menschen.

Manche können von ihrem Angehörigen sagen: er oder sie starb alt und lebenssatt. Sie haben sich auf den Tod ausgerichtet und er kam als erwartete Vollendung eines bewegten Lebens. Für andere ist der Tod in ein junges, aktives Leben eingebrochen und hat es viel zu früh beendet.

Was wir heute auch immer fühlen und empfinden, wir sind als Gemeinschaft zusammengekommen, wir begleiten einander und teilen den Schmerz und die Erinnerung an unsere Verstorbenen.

Wir nennen ihre Namen - oder bewahren in der Erinnerung die Namen derjenigen, von denen wir bereits vor längerer Zeit Abschied nehmen mussten.

Der Name ist ein wichtiger Teil unserer Identität. Nennt uns jemand beim Namen, so werden wir aus der Anonymität herausgerufen. Durch ihn werden wir ansprechbar. Wir werden erkannt und es verbindet sich mit unserem Namen unsere ganz persönliche Lebensgeschichte.

Wenn es in dieser Welt niemanden mehr gibt, der unseren Namen kennt und nennt, so erlöscht die Erinnerung an uns und damit auch unsere Lebensgeschichte.

In der Bibel finden wir zwei Gedanken, die dieser Zwangsläufigkeit widersprechen.

Im Lukasevangelium lesen wir: "Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind." (Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 20)

Dahinter steht die Vorstellung, ja das Vertrauen, dass unsere Identität, unser So-sein, unser unverwechselbares Leben bei Gott bewahrt bleibt. Auch wenn wir hier auf Erden schon lange vergessen sind - Gott vergisst uns nicht und bewahrt unsere Namen.

Der zweite Gedanke bezieht sich auf einen Vers im Alten Testament: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein, spricht Gott." (Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 43, Vers 1)

Gott, der uns durch sein schöpferisches Wort ins Leben gerufen hat, ruft uns zu sich, wenn wir uns verlieren. Auch wenn der Tod zu uns kommt und sich unser Leben auflöst, bleibt bestehen, was Gott unverwechselbar in uns gelegt hat. Ja, es wird vollendet und erfüllt, was in uns angelegt war und sich nicht entwickeln konnte.

Oft sagen wir: "nach dem Tod ist alles aus", denn wir gehen von dem Sichtbaren aus, das sich uns nun entzieht. Ja, der verstorbene Mensch ist nicht mehr bei uns, das sehen wir und dem können wir nicht entgehen.

Aber können wir alles sehen und wissen? - Ich denke nicht. Ich glaube und vertraue, dass unser unsichtbares Wesen sich verwandelt und erfüllt bei Gott, der uns bei unserem Namen nennt und unsere Namen bewahrt in seiner Gegenwart.

Amen.


Eine Meditation von Pfarrerin Margot Lenz anlässlich des Totengedenkens am Ewigkeitssonntag in der Aussegnungshalle auf dem Ehinger Friedhof.

 

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An diesem Ort des Abschiednehmens kommen wir zusammen - und es bewegen uns ganz unterschiedliche Empfindungen.

Für manche von uns ist es gerade ein paar Tage oder Wochen her, dass sie hier Abschied von einem vertrauten und geliebten Menschen genommen haben. Andere leben schon beinahe ein Jahr, oder noch länger, ohne die ihnen vertrauten Menschen.

Manche können von ihrem Angehörigen sagen: er oder sie starb alt und lebenssatt. Sie haben sich auf den Tod ausgerichtet und er kam als erwartete Vollendung eines bewegten Lebens. Für andere ist der Tod in ein junges, aktives Leben eingebrochen und hat es viel zu früh beendet.

Was wir heute auch immer fühlen und empfinden, wir sind als Gemeinschaft zusammengekommen, wir begleiten einander und teilen den Schmerz und die Erinnerung an unsere Verstorbenen. Wir nennen ihre Namen - oder bewahren in der Erinnerung die Namen derjenigen, von denen wir bereits vor längerer Zeit Abschied nehmen mussten.

Der Name ist ein wichtiger Teil unserer Identität. Nennt uns jemand beim Namen, so werden wir aus der Anonymität herausgerufen. Durch ihn werden wir ansprechbar. Wir werden erkannt und es verbindet sich mit unserem Namen unsere ganz persönliche Lebensgeschichte.


Wenn es in dieser Welt niemanden mehr gibt, der unseren Namen kennt und nennt, so erlöscht die Erinnerung an uns und damit auch unsere Lebensgeschichte.

In der Bibel finden wir zwei Gedanken, die dieser Zwangsläufigkeit widersprechen. Im Lukasevangelium lesen wir: "Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind." (Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 20)

Dahinter steht die Vorstellung, ja das Vertrauen, dass unsere Identität, unser So-sein, unser unverwechselbares Leben bei Gott bewahrt bleibt. Auch wenn wir hier auf Erden schon lange vergessen sind - Gott vergisst uns nicht und bewahrt unsere Namen.

Der zweite Gedanke bezieht sich auf einen Vers im Alten Testament: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein, spricht Gott." (Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 43, Vers 1)

Gott, der uns durch sein schöpferisches Wort ins Leben gerufen hat, ruft uns zu sich, wenn wir uns verlieren. Auch wenn der Tod zu uns kommt und sich unser Leben auflöst, bleibt bestehen, was Gott unverwechselbar in uns gelegt hat. Ja, es wird vollendet und erfüllt, was in uns angelegt war und sich nicht entwickeln konnte.

Oft sagen wir: "nach dem Tod ist alles aus", denn wir gehen von dem Sichtbaren aus, das sich uns nun entzieht. Ja, der verstorbene Mensch ist nicht mehr bei uns, das sehen wir und dem können wir nicht entgehen.

Aber können wir alles sehen und wissen? - Ich denke nicht. Ich glaube und vertraue, dass unser unsichtbares Wesen sich verwandelt und erfüllt bei Gott, der uns bei unserem Namen nennt und unsere Namen bewahrt in seiner Gegenwart.

Amen.


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Ansprache von Pfarrerin Susanne Richter zum Gedenken am Volkstrauertag

 

 

Veröffentlicht am 18. November 2018

Anlässlich des Volkstrauertages hielt Pfarrerin Susanne Richter eine Ansprache als Predigt im Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Ehingen und bei der Gedenkfeier der Stadt Ehingen am Gefallenendenkmal beim Groggensee.

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Anlässlich des Volkstrauertages hielt Pfarrerin Susanne Richter eine Ansprache als Predigt im Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Ehingen und bei der Gedenkfeier der Stadt Ehingen am Gefallenendenkmal beim Groggensee.


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Suche Frieden und jage ihm nach!


 

 

Buch der Psalmen, Kapitel 34, Vers 15b

 

 

 

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Dieses Wort aus dem hebräischen Gebetbuch der Bibel, den Psalmen, soll heute im Mittelpunkt dieser Gedenkfeier stehen. Im hebräischen Denken bedeutet das Wort "Frieden" weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe.

"Schalom" meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. "Schalom" ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.

"Könnte ich doch hören, was Gott, der Herr, redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten. Doch ist ja
seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserem Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue." (Buch der Psalmen, Kapitel 85, die Verse 9 bis 12)

Diese Friedensbotschaft ist Kern aller prophetischer Verkündigung und Erwartung. So hofft und verheißt der Prophet Micha: "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Buch des Propheten Micha, Kapitel 4, Vers 3)

Letztlich kann nach der Vorstellung nur einer die zerstörte und zerstrittene, von Gott abgefallene Schöpfung am Ende der Zeiten zurechtbringen und heilen: der von Gott eingesetzte Friedenskönig, der von Israel sehnsüchtig erwartete Messias.

Die Hoffnung auf das Ende von Chaos und Zerstörung und ein alle und alles umfassendes Friedensreich zieht sich durch die ganze Bibel. Sie berichtet aber auch von Mord und Totschlag, Streit und Unversöhnlichkeit. Mitten hinein erklingt deshalb immer wieder der Ruf: "Suche Frieden und jage ihm nach!"

Jesus sagt im Johannesevangelium: "Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." (Evangelium des Johannes, Kapitel 14, Vers 27)

Welche Friedensverheißung an diesem Ort heute am Volkstrauertag! Wir gedenken der vielen Menschen der beiden Weltkriege, die ihr Leben verloren haben. Wir gedenken der Opfer von Gewalt und Terror auf der ganzen Welt.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Die Sehnsucht nach Frieden ist in jedem und jeder von uns, davon bin ich überzeugt. Doch die Art und Weise, den Frieden zu erreichen, ist in uns sehr unterschiedlich. Ich möchte eine Sichtweise heute in den Vordergrund stellen, die an die biblischen Visionen anknüpft, aber auch über sie hinausgeht.

Frieden auf dieser Welt kann es nur geben, wenn jede und jeder von uns den Frieden im eigenen Herzen trägt, mit sich selbst und seinem Leben in Frieden kommt. Und das bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Es geht darum, mit Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe, auch, wenn ich sie im Nachhinein für falsch halte, Frieden zu schließen. Es geht ganz konkret darum, mit Menschen, die mir wehgetan haben, die mich verlassen haben, mich zu versöhnen.

Und im Tiefsten geht es darum, mit meiner Person, so, wie ich geworden bin, mit meinen Kompetenzen und Schwächen, Fehlern und meinem Irrtum in Frieden zu kommen.

Noch einmal: Wenn ich mit mir ganz persönlich und mit all den Menschen um mich herum und in der Ferne Frieden schließe, dann strahle ich diesen Frieden aus. Dann begegne ich anderen Menschen mit Frieden.

Vielleicht haben Sie das auch schon beobachten können im Alltag. Stellen Sie sich vor, alle Menschen auf dieser Erde würden so in Frieden kommen mit ihrem Leben, so, wie es ist. Würde es dann noch Gewalt, Terror und Krieg geben?

Vielleicht sind Ihnen diese Vorstellungen sehr fremd. Das kann ich gut verstehen. Unser Leben vollzieht sich in der Regel ja auch nicht so, sondern unser Alltag ist auf Feindbildern aufgebaut, die Medien zeigen es uns immer wieder. Damit docken sie an unsere destruktiven Kräfte an.

Wie gut, dass unser christlicher Glaube eine andere Wahrheit für uns bereithält: einen Frieden, der alles übersteigt, was wir kennen.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Dann kann die Verheißung des Micha Wirklichkeit werden: "Sie werden ihre Schwerter zur Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

Amen.

 

Dieses Wort aus dem hebräischen Gebetbuch der Bibel, den Psalmen, soll heute im Mittelpunkt dieser Gedenkfeier stehen. Im hebräischen Denken bedeutet das Wort "Frieden" weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe.

"Schalom" meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. "Schalom" ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.

"Könnte ich doch hören, was Gott, der Herr, redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten. Doch ist ja
seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserem Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue." (Buch der Psalmen, Kapitel 85, die Verse 9 bis 12)

Diese Friedensbotschaft ist Kern aller prophetischer Verkündigung und Erwartung. So hofft und verheißt der Prophet Micha: "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Buch des Propheten Micha, Kapitel 4, Vers 3)

Letztlich kann nach der Vorstellung nur einer die zerstörte und zerstrittene, von Gott abgefallene Schöpfung am Ende der Zeiten zurechtbringen und heilen: der von Gott eingesetzte Friedenskönig, der von Israel sehnsüchtig erwartete Messias.

Die Hoffnung auf das Ende von Chaos und Zerstörung und ein alle und alles umfassendes Friedensreich zieht sich durch die ganze Bibel. Sie berichtet aber auch von Mord und Totschlag, Streit und Unversöhnlichkeit. Mitten hinein erklingt deshalb immer wieder der Ruf: "Suche Frieden und jage ihm nach!"

Jesus sagt im Johannesevangelium: "Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." (Evangelium des Johannes, Kapitel 14, Vers 27)

Welche Friedensverheißung an diesem Ort heute am Volkstrauertag! Wir gedenken der vielen Menschen der beiden Weltkriege, die ihr Leben verloren haben. Wir gedenken der Opfer von Gewalt und Terror auf der ganzen Welt.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Die Sehnsucht nach Frieden ist in jedem und jeder von uns, davon bin ich überzeugt. Doch die Art und Weise, den Frieden zu erreichen, ist in uns sehr unterschiedlich. Ich möchte eine Sichtweise heute in den Vordergrund stellen, die an die biblischen Visionen anknüpft, aber auch über sie hinausgeht.

Frieden auf dieser Welt kann es nur geben, wenn jede und jeder von uns den Frieden im eigenen Herzen trägt, mit sich selbst und seinem Leben in Frieden kommt. Und das bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Es geht darum, mit Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe, auch, wenn ich sie im Nachhinein für falsch halte, Frieden zu schließen. Es geht ganz konkret darum, mit Menschen, die mir wehgetan haben, die mich verlassen haben, mich zu versöhnen.

Und im Tiefsten geht es darum, mit meiner Person, so, wie ich geworden bin, mit meinen Kompetenzen und Schwächen, Fehlern und meinem Irrtum in Frieden zu kommen.

Noch einmal: Wenn ich mit mir ganz persönlich und mit all den Menschen um mich herum und in der Ferne Frieden schließe, dann strahle ich diesen Frieden aus. Dann begegne ich anderen Menschen mit Frieden.

Vielleicht haben Sie das auch schon beobachten können im Alltag. Stellen Sie sich vor, alle Menschen auf dieser Erde würden so in Frieden kommen mit ihrem Leben, so, wie es ist. Würde es dann noch Gewalt, Terror und Krieg geben?

Vielleicht sind Ihnen diese Vorstellungen sehr fremd. Das kann ich gut verstehen. Unser Leben vollzieht sich in der Regel ja auch nicht so, sondern unser Alltag ist auf Feindbildern aufgebaut, die Medien zeigen es uns immer wieder. Damit docken sie an unsere destruktiven Kräfte an.

Wie gut, dass unser christlicher Glaube eine andere Wahrheit für uns bereithält: einen Frieden, der alles übersteigt, was wir kennen.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Dann kann die Verheißung des Micha Wirklichkeit werden: "Sie werden ihre Schwerter zur Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

Amen.