Ansprachen, Meditationen und Predigten

 

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Auf dieser Seite finden Sie neben gehaltenen Ansprachen, Meditationen und Predigten auch Nachrichten, die mitunter in Briefform veröffentlicht wurden. Öffnen Sie die jeweiligen Suchboxen mit chronologischer Anordnung von Texten zu bestimmten Anlässen.

 

Eine Ansprache von Pfarrerin Susanne Richter am Volkstrauertag

 

 

Veröffentlicht am 15. November 2020

In diesen Tagen geht mir immer wieder ein Lied durch den Kopf, das mich an meine Kindheit erinnert. Erst vor kurzem hat es sich eine Tauffamilie zur Taufe gewünscht. Die Eltern singen es ihrem Kind jeden Abend zum Einschlafen vor.

In diesen Tagen geht mir immer wieder ein Lied durch den Kopf, das mich an meine Kindheit erinnert. Erst vor kurzem hat es sich eine Tauffamilie zur Taufe gewünscht. Die Eltern singen es ihrem Kind jeden Abend zum Einschlafen vor .

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Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Weißt du, wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt? Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.
Evangelisches Gesangbuch, Nummer 511

 

 

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In den beiden weiteren Strophen ist die Rede von den Mücklein, von den Fischlein, die Gott mir Namen rief, damit sie ins Leben kamen, und Gott im Himmel hat an allen seine Freude. Er kennt sie alle, er kennt auch dich und hat dich lieb. Wie gut, dass Gott all seine großen und kleinen Kinder, seine Töchter und Söhne, denen er das Leben eingehaucht hat, kennt.

Und wie gut, dass ich mich wieder daran erinnern lasse, ich bin Gottes Kind. Ich gehe nicht verloren. Gott hat seine ganze Schöpfung liebevoll im Blick. Wenn ich in den Sternenhimmel schaue, dann wird mir warm ums Herz bei dem Gedanken. Wie ein Stern, hell oder weniger hell, strahlt jeder Mensch in die dunkle Nacht hinein. Ich weiß alle meine mir liebgewordenen Menschen, ob sie auf dieser irdischen Welt sind oder in der himmlischen, sind in Gottes Liebe geborgen.

Der Monat November ist ein Monat des Erinnerns. Wie dunkle Schatten legen sich schwere Gedanken auf unsere Seelen, sodass Licht von Finsternis überzogen wird. Wir erinnern uns an Geschehnisse, die uns mit Leid und Schmerz in Berührung gebracht haben. Dazu gehören Menschen, die wir in den Kriegen verloren haben, zerbombte Gebäude, eine Kultur, die beinahe ausgemerzt wurde. Heute sind wir mit Terror konfrontiert. Entsetzen, Wut und Trauer steigen in uns auf.

Am Volkstrauertag gedenken wir dieser Menschen. Die Erinnerung hilft uns, nicht zu vergessen. Sie rüttelt wach und mahnt uns: "Nie mehr Krieg, Gewalt und Terror!" In diesem Monat rufen wir uns auch alle Menschen in Erinnerung, die im vergangenen Kirchenjahr gestorben sind. Wir nennen noch einmal ihre Namen, gehen an ihre Gräber und hoffen darauf, dass sie in ein neues Leben gehen.

Auch der Buß- und Bettag ist ein Tag des Erinnerns, ein Tag der inneren Einkehr und Umkehr. Ich schaue auf mein Leben und mit dem liebevollen Blick Gottes. Was ist gelungen, wo habe ich Fehler gemacht, wo habe ich mir geirrt. Wo habe ich andere verletzt, wo bin ich selbst verletzt.

Krieg, Gewalt, Hass verwunden Menschen an Körper und Seele. Wie gut, wenn wir uns dann an Momente erinnern, als unsere Mutter uns in den Schlag wiegte und uns ins Ohr gesungen hat: Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt (...) Gott im Himmel kennt auch dich und hat dich lieb."

Es berührt mich und lässt mich aus meiner Erstarrung aufbrechen. Manche Träne kullert über mein Gesicht. Das Leben in mir kommt ins Fließen. Wie dankbar bin ich in diesem Moment. Ich gebe meiner Trauer Raum.

Vieles im Leben zerbricht, weil wir es festhalten möchten. In diesen Tagen erleben wir, wie verlässliche Strukturen zerbrechen. Ungerechtigkeit gehört zum Alltag. Was uns als Geschöpfe Gottes in der Tiefe unseres Herzens ausmacht, Liebe, Mitmenschlichkeit, Mitgefühl, all das geht verloren. Gerade dann, wenn wir einander so dringend brauchen würden, fallen wir uns gegenseitig in den Rücken. Statt aufeinander zuzugehen, uns zu umarmen und zu trösten, sollen wir uns aus dem Weg gehen und uns in die eigenen vier Wände zurückziehen.

In den beiden weiteren Strophen ist die Rede von den Mücklein, von den Fischlein, die Gott mir Namen rief, damit sie ins Leben kamen, und Gott im Himmel hat an allen seine Freude. Er kennt sie alle, er kennt auch dich und hat dich lieb. Wie gut, dass Gott all seine großen und kleinen Kinder, seine Töchter und Söhne, denen er das Leben eingehaucht hat, kennt.

Und wie gut, dass ich mich wieder daran erinnern lasse, ich bin Gottes Kind. Ich gehe nicht verloren. Gott hat seine ganze Schöpfung liebevoll im Blick. Wenn ich in den Sternenhimmel schaue, dann wird mir warm ums Herz bei dem Gedanken. Wie ein Stern, hell oder weniger hell, strahlt jeder Mensch in die dunkle Nacht hinein. Ich weiß alle meine mir liebgewordenen Menschen, ob sie auf dieser irdischen Welt sind oder in der himmlischen, sind in Gottes Liebe geborgen.

Der Monat November ist ein Monat des Erinnerns. Wie dunkle Schatten legen sich schwere Gedanken auf unsere Seelen, sodass Licht von Finsternis überzogen wird. Wir erinnern uns an Geschehnisse, die uns mit Leid und Schmerz in Berührung gebracht haben. Dazu gehören Menschen, die wir in den Kriegen verloren haben, zerbombte Gebäude, eine Kultur, die beinahe ausgemerzt wurde. Heute sind wir mit Terror konfrontiert. Entsetzen, Wut und Trauer steigen in uns auf.

Am Volkstrauertag gedenken wir dieser Menschen. Die Erinnerung hilft uns, nicht zu vergessen. Sie rüttelt wach und mahnt uns: "Nie mehr Krieg, Gewalt und Terror!" In diesem Monat rufen wir uns auch alle Menschen in Erinnerung, die im vergangenen Kirchenjahr gestorben sind. Wir nennen noch einmal ihre Namen, gehen an ihre Gräber und hoffen darauf, dass sie in ein neues Leben gehen.

Auch der Buß- und Bettag ist ein Tag des Erinnerns, ein Tag der inneren Einkehr und Umkehr. Ich schaue auf mein Leben und mit dem liebevollen Blick Gottes. Was ist gelungen, wo habe ich Fehler gemacht, wo habe ich mir geirrt. Wo habe ich andere verletzt, wo bin ich selbst verletzt.

Krieg, Gewalt, Hass verwunden Menschen an Körper und Seele. Wie gut, wenn wir uns dann an Momente erinnern, als unsere Mutter uns in den Schlag wiegte und uns ins Ohr gesungen hat: Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt (...) Gott im Himmel kennt auch dich und hat dich lieb."

Es berührt mich und lässt mich aus meiner Erstarrung aufbrechen. Manche Träne kullert über mein Gesicht. Das Leben in mir kommt ins Fließen. Wie dankbar bin ich in diesem Moment. Ich gebe meiner Trauer Raum.

Vieles im Leben zerbricht, weil wir es festhalten möchten. In diesen Tagen erleben wir, wie verlässliche Strukturen zerbrechen. Ungerechtigkeit gehört zum Alltag. Was uns als Geschöpfe Gottes in der Tiefe unseres Herzens ausmacht, Liebe, Mitmenschlichkeit, Mitgefühl, all das geht verloren. Gerade dann, wenn wir einander so dringend brauchen würden, fallen wir uns gegenseitig in den Rücken. Statt aufeinander zuzugehen, uns zu umarmen und zu trösten, sollen wir uns aus dem Weg gehen und uns in die eigenen vier Wände zurückziehen
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Foto: shutterstock / photoBeard; Gestaltung: Jutta Wilbert©Hg.: Gottesdienst-Institut, Nürnberg

 
 

Wir sind soziale Wesen. Ein Stern allein am Himmel lässt das Universum nicht erstrahlen. Wie fehlt doch die Wahrnehmung meines Gegenübers, die Gesichtszüge, die Geste, die Berührung. Einsamkeit ist häufig die Folge. Ich bin in diesen Tagen gezwungen, es mit mir selbst auszuhalten. Gerade dazu braucht es doch den Trost, die Stärkung, die Begleitung durch einen anderen Menschen, eines Freundes, meiner Familie.

Es ist wie bei einem kleinen Kind, das hinfällt, sich wehtut. Es will auf den Arm genommen und getröstet werden. Wenn es dieses Bedürfnis stillen kann, dann will es wieder auf den eigenen Beinen los. Und dieses kleine Kind bleibt doch in mir auch als erwachsener Mensch. Es hat Bedürfnisse und will wahrgenommen werden.

Ich möchte Sie ermutigen, mit der Liebe Gottes, der seine Kinder tröstet wie eine Mutter, ihnen den Rücken stärkt wie ein Vater auf all das, was zerbrochen ist, was schmerzt, zu schauen und dem Raum zu geben, was nottut. Diese Liebe endet nicht an Schutzmaßnahmen. An sie dürfen wir uns immer wieder erinnern und auch mal klammern.

Vielleicht gelingt es mir mit der Zeit, mit Verlusten, Verletzungen, Brüchen und Rissen wohlwollend umzugehen. Sie nicht einfach zu übertünchen, sondern als Lebenserfahrung zu sehen, die zu mir gehören. Sie dürfen sichtbar bleiben, ja sie können zu etwas Wertvollem werden. Sie dürfen heilen. Sie dürfen vergoldet werden. Dann wird erfahrbar und wirklich, was uns in Psalm 147,3 verheißen ist: "Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden."

Wir sind soziale Wesen. Ein Stern allein am Himmel lässt das Universum nicht erstrahlen. Wie fehlt doch die Wahrnehmung meines Gegenübers, die Gesichtszüge, die Geste, die Berührung. Einsamkeit ist häufig die Folge. Ich bin in diesen Tagen gezwungen, es mit mir selbst auszuhalten. Gerade dazu braucht es doch den Trost, die Stärkung, die Begleitung durch einen anderen Menschen, eines Freundes, meiner Familie.

Es ist wie bei einem kleinen Kind, das hinfällt, sich wehtut. Es will auf den Arm genommen und getröstet werden. Wenn es dieses Bedürfnis stillen kann, dann will es wieder auf den eigenen Beinen los. Und dieses kleine Kind bleibt doch in mir auch als erwachsener Mensch. Es hat Bedürfnisse und will wahrgenommen werden.

Ich möchte Sie ermutigen, mit der Liebe Gottes, der seine Kinder tröstet wie eine Mutter, ihnen den Rücken stärkt wie ein Vater auf all das, was zerbrochen ist, was schmerzt, zu schauen und dem Raum zu geben, was nottut. Diese Liebe endet nicht an Schutzmaßnahmen. An sie dürfen wir uns immer wieder erinnern und auch mal klammern.

Vielleicht gelingt es mir mit der Zeit, mit Verlusten, Verletzungen, Brüchen und Rissen wohlwollend umzugehen. Sie nicht einfach zu übertünchen, sondern als Lebenserfahrung zu sehen, die zu mir gehören. Sie dürfen sichtbar bleiben, ja sie können zu etwas Wertvollem werden. Sie dürfen heilen. Sie dürfen vergoldet werden. Dann wird erfahrbar und wirklich, was uns in Psalm 147,3 verheißen ist: "Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden."

 

Foto: shutterstock / photoBeard; Gestaltung: Jutta Wilbert©Hg.: Gottesdienst-Institut, Nürnberg

 
 

"Weißt du, wieviel Sternlein stehen..." Nichts geht verloren in Gottes Welt, wie tröstlich. Ich bleibe Gottes Kind, seine Tochter, sein Sohn, egal wie mein Leben gerade aussieht, wie schwer oder leicht es mir fällt. In dieser Gewissheit kann ich getröstet und gestärkt auf die Welt schauen.  Ich sehe meine eigene Verantwortung für ein Leben in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Dafür lohnt es sich die Scherben zusammenzusetzen. Sie sind sichtbar, doch mit Gold veredelt.

Amen.

"Weißt du, wieviel Sternlein stehen..." Nichts geht verloren in Gottes Welt, wie tröstlich. Ich bleibe Gottes Kind, seine Tochter, sein Sohn, egal wie mein Leben gerade aussieht, wie schwer oder leicht es mir fällt. In dieser Gewissheit kann ich getröstet und gestärkt auf die Welt schauen.  Ich sehe meine eigene Verantwortung für ein Leben in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Dafür lohnt es sich die Scherben zusammenzusetzen. Sie sind sichtbar, doch mit Gold veredelt.

Amen.

 

Ein Impuls für die Tageszeitungen von Pfarrerin Susanne Richter über den Wahrheitsgehalt hinter Sprichwörtern und Märchen

 

 

Veröffentlicht am 25. Juli 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sprichwörter gehören zu unserem Erfahrungswissen. Schon die Bibel greift in ihrem Buch der Sprüche darauf zurück. Ein bekanntes Sprichwort heißt "Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude." Wie viel Wahrheit steckt darin!

Im Gottesdienst im Fachpflegeheim für Psychiatrie haben Menschen diese Weisheit bestätigt. "Wenn ich mit jemandem meine Sorgen und Nöte teile, dann wird es mir leichter ums Herz."

Wenn ich etwas abgebe von dem, was ich habe, freut sich mein Gegenüber genauso wie ich mich selbst. Im Galaterbrief sagt Paulus: "Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."

Das Gesetz Christi ist die Liebe. Was manchmal so verstaubt und moralisch daherkommt, hat oft einen tiefen Wahrheitsgehalt. In dem russischen Märchen "Die Löffel" wird diese Weisheit in sehr eindrücklichen Bildern anschaulich beschrieben.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sprichwörter gehören zu unserem Erfahrungswissen. Schon die Bibel greift in ihrem Buch der Sprüche darauf zurück. Ein bekanntes Sprichwort heißt "Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude." Wie viel Wahrheit steckt darin!

Im Gottesdienst im Fachpflegeheim für Psychiatrie haben Menschen diese Weisheit bestätigt. "Wenn ich mit jemandem meine Sorgen und Nöte teile, dann wird es mir leichter ums Herz."

Wenn ich etwas abgebe von dem, was ich habe, freut sich mein Gegenüber genauso wie ich mich selbst. Im Galaterbrief sagt Paulus: "Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."

Das Gesetz Christi ist die Liebe. Was manchmal so verstaubt und moralisch daherkommt, hat oft einen tiefen Wahrheitsgehalt. In dem russischen Märchen "Die Löffel" wird diese Weisheit in sehr eindrücklichen Bildern anschaulich beschrieben 
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Ein Rabbi kommt zu Gott: "Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel." - "Nimm Elia als Führer", spricht der Schöpfer, "er wird dir beides zeigen." Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand. Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber die Menschen sehen mager aus, blass, elend. Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen. Das herrliche Essen ist nicht zu genießen. Die beiden gehen hinaus. "Welch seltsamer Raum war das?", fragt der Rabbi den Propheten. "Die Hölle", lautet die Antwort. Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf dem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber - ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen gesund aus, gut genährt, glücklich. "Wie kommt das?" - Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel gegenseitig in den Mund. Sie geben einander zu essen. Da weiß der Rabbi, wo er ist.
Quelle: "Himmel und Hölle" nach einer orientalischen Lehrgeschichte

 

 

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Vielleicht lädt uns dieses Märchen ein, mal wieder darauf zu achten, wann wir mit unseren jeweiligen Gaben einander unterstützen können. Wie gut, wenn wir dann die Erfahrung machen, dass wir uns gegenseitig bereichern können.

Der Himmel ist mitten unter uns. Ja, ich möchte sagen, der Himmel ist mitten in uns: "Geteilte Freude ist doppelte Freude."

Ich wünsche Ihnen solche Erfahrungen.

Vielleicht lädt uns dieses Märchen ein, mal wieder darauf zu achten, wann wir mit unseren jeweiligen Gaben einander unterstützen können. Wie gut, wenn wir dann die Erfahrung machen, dass wir uns gegenseitig bereichern können.

Der Himmel ist mitten unter uns. Ja, ich möchte sagen, der Himmel ist mitten in uns: "Geteilte Freude ist doppelte Freude."

Ich wünsche Ihnen solche Erfahrungen
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Ein Impuls für die Tageszeitungen von Pfarrerin Susanne Richter über den Schatz am Ende des Regenbogens

 

 

Veröffentlicht am 9. Mai 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Erschreckend still" ist ein Leitartikel in den Medien überschrieben. Ja, das ist so. Ich finde es auch erschreckend still, aber nicht nur in den Kirchen. Wo sind die Menschen, die aus tiefstem Herzen selbst die Stimme erheben, an welchem Ort auch immer.

Eine Maske haben die Menschen erhalten zum Schutz - einen Maulkorb zum Schweigen. Diejenigen, die sich nicht daran halten, werden oft noch denunziert. Das ist in der Tat erschreckend.

Erstkommunionen und Konfirmationen sind plötzlich auf unbestimmte Zeit verboten, auch Trauungen. Taufen werden wieder als Einzelgottesdienste zugelassen, Bestattungen immerhin mit 50 Personen. Doch wohin zum Familientreffen - keine Gastronomie darf öffnen.

Gottesdienste sind nun immerhin, aber nur unter drastischen Einschränkungen, möglich. Ohne Gesang am Sonntag Kantate, wo doch die Seelen der Menschen endlich wieder gemeinsam eine Ausdrucksform finden wollen.

Junge und alte Menschen, Gesunde und Kranke, Familien mit kleinen Kindern sind seit Wochen eingesperrt. Es tut mir in der Seele weh! Umso mehr möchte ich Sie heute ermutigen, sich aus der erschreckenden Stille zu erheben und sich an die eigene Schöpferkraft erinnern zu lassen.

Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes, aus Mutter Erde geschaffen und in ihr wurzelnd. Zugleich ist er Ebenbild Gottes, in den Himmel hinein sich ausstreckend, von der Geistkraft Gottes ins Leben gerufen. Und damit auch in die eigene Verantwortung gestellt.

Die Natur zeigt uns gerade die unbeirrbare Kraft des Lebens, die Sonne scheint klar am Himmel wie selten - kaum Flugobjekte sind zu sehen. Der Wald ist wunderschön, Bäume, Sträucher und Pflanzen blühen, Früchte reifen, Leben in Fülle. Wie gut mir das tut! Das kleine Sträußchen Veilchen mit Erdbeerblüten auf meinem Tisch, oft übersehen, jetzt gepflückt und eine große Freude!

Ich will die Augen nicht zumachen - weder vor der Schönheit des Lebens noch vor der Grausamkeit. Ich will mein Herz öffnen, Mitgefühl in mir aufkommen lassen für all das, was geschieht in Gottes Schöpfung.

Nur wenn ich fühle, mitfühle mit der Kreatur, kann ich aufstehen und eintreten für die Würde und das Grundrecht jedes Menschen, kann Verantwortung wahrnehmen an meinem Platz im Leben. Wenn sich viele davon anrühren lassen, sich in die Verantwortung nehmen lassen, wach hinsehen statt wegzusehen, wird es zu einem Leben in Fülle für jeden Menschen kommen können.

In diesen Tagen habe ich das Naturwunder des Regenbogens immer wieder gesehen, manchmal sogar einen doppelten.

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Erschreckend still" ist ein Leitartikel in den Medien überschrieben. Ja, das ist so. Ich finde es auch erschreckend still, aber nicht nur in den Kirchen. Wo sind die Menschen, die aus tiefstem Herzen selbst die Stimme erheben, an welchem Ort auch immer.

Eine Maske haben die Menschen erhalten zum Schutz - einen Maulkorb zum Schweigen. Diejenigen, die sich nicht daran halten, werden oft noch denunziert. Das ist in der Tat erschreckend.

Erstkommunionen und Konfirmationen sind plötzlich auf unbestimmte Zeit verboten, auch Trauungen. Taufen werden wieder als Einzelgottesdienste zugelassen, Bestattungen immerhin mit 50 Personen. Doch wohin zum Familientreffen - keine Gastronomie darf öffnen.

Gottesdienste sind nun immerhin, aber nur unter drastischen Einschränkungen, möglich. Ohne Gesang am Sonntag Kantate, wo doch die Seelen der Menschen endlich wieder gemeinsam eine Ausdrucksform finden wollen.

Junge und alte Menschen, Gesunde und Kranke, Familien mit kleinen Kindern sind seit Wochen eingesperrt. Es tut mir in der Seele weh! Umso mehr möchte ich Sie heute ermutigen, sich aus der erschreckenden Stille zu erheben und sich an die eigene Schöpferkraft erinnern zu lassen.

Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes, aus Mutter Erde geschaffen und in ihr wurzelnd. Zugleich ist er Ebenbild Gottes, in den Himmel hinein sich ausstreckend, von der Geistkraft Gottes ins Leben gerufen. Und damit auch in die eigene Verantwortung gestellt.

Die Natur zeigt uns gerade die unbeirrbare Kraft des Lebens, die Sonne scheint klar am Himmel wie selten - kaum Flugobjekte sind zu sehen. Der Wald ist wunderschön, Bäume, Sträucher und Pflanzen blühen, Früchte reifen, Leben in Fülle. Wie gut mir das tut! Das kleine Sträußchen Veilchen mit Erdbeerblüten auf meinem Tisch, oft übersehen, jetzt gepflückt und eine große Freude!

Ich will die Augen nicht zumachen - weder vor der Schönheit des Lebens noch vor der Grausamkeit. Ich will mein Herz öffnen, Mitgefühl in mir aufkommen lassen für all das, was geschieht in Gottes Schöpfung.

Nur wenn ich fühle, mitfühle mit der Kreatur, kann ich aufstehen und eintreten für die Würde und das Grundrecht jedes Menschen, kann Verantwortung wahrnehmen an meinem Platz im Leben. Wenn sich viele davon anrühren lassen, sich in die Verantwortung nehmen lassen, wach hinsehen statt wegzusehen, wird es zu einem Leben in Fülle für jeden Menschen kommen können.

In diesen Tagen habe ich das Naturwunder des Regenbogens immer wieder gesehen, manchmal sogar einen doppelten
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Sonne und Regen, Licht und Dunkel gehören zusammen. Wenn die Lichtstrahlen der Sonne auf Regentropfen treffen, wird das Licht von den Tropfen gebrochen und in seine Spektralfarben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett zerlegt.

In der Bibel ist der Regenbogen das Zeichen des Bundes, der Verpflichtung Gottes mit den Menschen und aller Schöpfung, dass Leben in Fülle möglich und gottgewollt ist. Wir werden wieder daran erinnert: Himmel und Erde sind miteinander verbunden.

Nach der irischen Mythologie kann ein Regenbogen auch als Schatzkarte gedeutet werden. Denn am Ende des Regenbogens, wo er den Boden berührt, soll ein Schatz vergraben sein. In einem irischen Märchen wird von einem Topf voll Gold berichtet, der einem Leprechaun gehört, also einem irischen Kobold.

Sonne und Regen, Licht und Dunkel gehören zusammen. Wenn die Lichtstrahlen der Sonne auf Regentropfen treffen, wird das Licht von den Tropfen gebrochen und in seine Spektralfarben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett zerlegt.

In der Bibel ist der Regenbogen das Zeichen des Bundes, der Verpflichtung Gottes mit den Menschen und aller Schöpfung, dass Leben in Fülle möglich und gottgewollt ist. Wir werden wieder daran erinnert: Himmel und Erde sind miteinander verbunden.

Nach der irischen Mythologie kann ein Regenbogen auch als Schatzkarte gedeutet werden. Denn am Ende des Regenbogens, wo er den Boden berührt, soll ein Schatz vergraben sein. In einem irischen Märchen wird von einem Topf voll Gold berichtet, der einem Leprechaun gehört, also einem irischen Kobold
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Es war einmal ein alter Mann. Der lebte ganz allein im Wald in einer kleinen Hütte und war sehr, sehr unglücklich. Jeden Tag saß er auf einer Bank vor seinem Häuschen und starrte vor sich hin. Er hörte nicht wie die Vögel sangen, er spürte den Wind nicht, der mit den Blättern der Bäume spielte, er fühlte nicht die Sonnenstrahlen auf seiner Haut, er roch den würzigen Tannenduft nicht, und er sah nicht, wie die Tiere des Waldes immer wieder zutraulich herankamen. Er hielt den ganzen Tag den Kopf gesenkt und dachte nach. Seine Gedanken kreisten nur um eine Sache: Warum, so fragte er sich wieder und wieder, warum nur war die Prophezeiung der schönen Fee nicht in Erfüllung gegangen? Dabei war der Fall doch ganz klar. Seine Mutter hatte ihm die Geschichte oft erzählt. Damals, als er vor vielen Jahren in dem tausend Jahre alten Wasserschloss geboren wurde, genau eine Stunde nach der Geburt, hatte plötzlich eine Fee an seiner Wiege gestanden und gesagt: Am Ende des Regenbogens liegt ein großer Schatz für dich. Der Mann hatte sein Leben lang auf der ganzen Welt nach diesem Schatz gesucht. Es war ein wildes, abenteuerliches Leben gewesen, voller Ungeduld und Gier. Doch den Schatz, nein, den hatte er nie gefunden. Er war arm wie eine Kirchenmaus geblieben, und sein Erbe, das schöne Wasserschloss, fiel an seinen jüngeren Bruder, weil er sich nie darum gekümmert hatte. So lebte er dahin, bis eines Tages etwas geschah. Es hatte tagelang geregnet, doch plötzlich war mit Macht die Sonne durchgebrochen, obwohl es noch etwas nieselte. Der alte Mann saß mal wieder mit gesenktem Kopf vor seiner Hütte und zertrat wütend eine kleine Blume. Doch plötzlich veränderte sich das Licht, und der alte Mann schreckte auf. Und da sah er es. Ein riesiger, prächtiger Regenbogen spannte sich über den Wald, hoch über die höchsten Wipfel der Bäume. Und das Ende des Regenbogens zeigte genau auf ihn. Ja, der alte Mann saß direkt am Ende des Regenbogens. Da kam ihm die Erleuchtung: Der Schatz am Ende des Regenbogens, das war er selbst. Der alte Mann begann zu weinen. Er ging in seine Hütte und weinte drei Tage und drei Nächte lang. Dann trat er wieder heraus. Er holte tief Luft und spürte, wie das Leben in ihn zurückströmte. Er fühlte sich um Jahrzehnte jünger. Er bemerkte auf dem Boden einen kleinen Käfer, der auf den Rücken gefallen war. Er bückte sich und drehte ihn behutsam herum. Dann blickte er hoch und nahm wahr, dass der Himmel leuchtend blau war. Da wusste er, dass ein langes, glückliches Leben vor ihm lag.
Quelle unbekannt

 

 

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Ich wünsche Ihnen Mut und Kraft und das Vertrauen, dass das Leben in Fülle in Ihrer Hand liegt. Diese Gewissheit macht mich zutiefst dankbar und lässt mich am Sonntag Kantate nach dem Gottesdienst im Kirchgarten einstimmen in das Lied:

Ich wünsche Ihnen Mut und Kraft und das Vertrauen, dass das Leben in Fülle in Ihrer Hand liegt. Diese Gewissheit macht mich zutiefst dankbar und lässt mich am Sonntag Kantate nach dem Gottesdienst im Kirchgarten einstimmen in das Lied:

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Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan ... Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein'gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.
Quelle: Lied "Nun danket alle Gott", Evangelischen Gesangbuch Liednummer 321, die Strophen 1 und 3

 

 

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Ostergedanken von Pfarrerin Susanne Richter

 

 

Veröffentlicht am 11. April 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie das auch, dass Sie das Gefühl haben, Sie sehen unscharf? Es gelingt Ihnen nicht, das Motiv, die Szene, das Bild mit allen Konturen "scharf zu stellen", so sehr Sie sich auch mit Ihren Augen, mit Ihrer Brille, mit dem Vergrößerungsglas, mit all den Ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln bemühen?

Manches, was in dieser Welt vor sich geht, kann ich nur unscharf erkennen, verschwommen.

Ich informiere mich in den Medien über die Weltpolitik, über das Geschehen vor Ort. Oftmals gibt es ganz widersprüchliche Berichte. Zudem passt all das oft nicht zu dem, was ich selbst aus meinen Erfahrungen heraus weiß oder was mir meine Intuition sagt. Das verunsichert mich manchmal zutiefst.

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie das auch, dass Sie das Gefühl haben, Sie sehen unscharf? Es gelingt Ihnen nicht, das Motiv, die Szene, das Bild mit allen Konturen "scharf zu stellen", so sehr Sie sich auch mit Ihren Augen, mit Ihrer Brille, mit dem Vergrößerungsglas, mit all den Ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln bemühen?

Manches, was in dieser Welt vor sich geht, kann ich nur unscharf erkennen, verschwommen.

Ich informiere mich in den Medien über die Weltpolitik, über das Geschehen vor Ort. Oftmals gibt es ganz widersprüchliche Berichte. Zudem passt all das oft nicht zu dem, was ich selbst aus meinen Erfahrungen heraus weiß oder was mir meine Intuition sagt. Das verunsichert mich manchmal zutiefst.

 
 
 

Was mir dann hilft, ist meine Perspektive zu verändern. Ich schaue nochmals von einem anderen Standort auf das Motiv, die Szene, das Bild, die Situation. Ich prüfe mit all meinen mir zur Verfügung stehenden Mitteln alles nochmals. Ich optimiere die Feinabstimmung.

Vielleicht gelingt es mir dann, das Ganze doch "scharf zu stellen", zu sehen, wie es zumindest für diesen Augenblick für mich wirklich ist. Ja, ich habe das Gefühl, jetzt ist es für mich so gut. Ich sehe klar und deutlich - mit und ohne optische Hilfsmittel.

Was mir dann hilft, ist meine Perspektive zu verändern. Ich schaue nochmals von einem anderen Standort auf das Motiv, die Szene, das Bild, die Situation. Ich prüfe mit all meinen mir zur Verfügung stehenden Mitteln alles nochmals. Ich optimiere die Feinabstimmung.

Vielleicht gelingt es mir dann, das Ganze doch "scharf zu stellen", zu sehen, wie es zumindest für diesen Augenblick für mich wirklich ist. Ja, ich habe das Gefühl, jetzt ist es für mich so gut. Ich sehe klar und deutlich - mit und ohne optische Hilfsmittel
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Und doch bleibt da für mich ein mulmiges Gefühl, vielleicht erst recht, weil ich alles aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet habe. Mich beschleicht Angst. Was geht hier vor? Was bedeutet das für mich, für meine Mitmenschen, für die Region, für unser Land, für die Welt?

Ich überlege, was kann ich tun? Ich versuche, gut in mich hineinzuhorchen - geerdet, himmelwärts meinen Blick auszurichten. Welche Quelle ist da, an die ich mich anschließen kann? Für mich ist es Jesus Christus. Vielleicht ist es für Sie auch so? Vielleicht nennen Sie Ihre Quelle anders.

Für mich bedeutet mein Glaube an Jesus Christus, dass ich eine Kraft spüren kann in mir, die mich trägt und mich aufrecht stehen und gehen lässt.

Ja, diese Kraft hilft mir, klar zu sehen, auch wenn es unangenehme Gefühle auslöst. Sie lässt mich nicht in Panik verfallen, sondern mutig jeden Tag meinen Fußabdruck in diese Welt setzen, dankbar dass ich leben darf, so wie ich bin, so wie mich Gott jeden Tag neu ins Leben ruft.

Dazu ermutigt mich auch die Osterbotschaft.

Ich wünsche uns Menschlichkeit von Herz zu Herz, den klaren Blick auf Augenhöhe, ein Behütetsein an Leib und Seele!

Und doch bleibt da für mich ein mulmiges Gefühl, vielleicht erst recht, weil ich alles aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet habe. Mich beschleicht Angst. Was geht hier vor? Was bedeutet das für mich, für meine Mitmenschen, für die Region, für unser Land, für die Welt?

Ich überlege, was kann ich tun? Ich versuche, gut in mich hineinzuhorchen - geerdet, himmelwärts meinen Blick auszurichten. Welche Quelle ist da, an die ich mich anschließen kann? Für mich ist es Jesus Christus. Vielleicht ist es für Sie auch so? Vielleicht nennen Sie Ihre Quelle anders.

Für mich bedeutet mein Glaube an Jesus Christus, dass ich eine Kraft spüren kann in mir, die mich trägt und mich aufrecht stehen und gehen lässt.

Ja, diese Kraft hilft mir, klar zu sehen, auch wenn es unangenehme Gefühle auslöst. Sie lässt mich nicht in Panik verfallen, sondern mutig jeden Tag meinen Fußabdruck in diese Welt setzen, dankbar dass ich leben darf, so wie ich bin, so wie mich Gott jeden Tag neu ins Leben ruft.

Dazu ermutigt mich auch die Osterbotschaft.

Ich wünsche uns Menschlichkeit von Herz zu Herz, den klaren Blick auf Augenhöhe, ein Behütetsein an Leib und Seele!

 

Eine Nachricht der beiden Pfarrerinnen

 

 

Veröffentlicht am 27. März 2020

Liebe Mitglieder unserer Kirchengemeinde, liebe Brüder und Schwestern,

am Ende der zweiten Woche, in denen die harten Maßnahmen gegen das Corona-Virus greifen, erleben wir ganz Unterschiedliches. Was das kulturelle, gesellschaftliche, religiöse Leben angeht, so bleiben Familien im engsten Familienkreis.

Viele von uns erleben sich als ausgebremst. Das plötzliche Anhalten müssen ruft Ängste hervor. Wir fragen uns, wie wir diese Zeit durchstehen können. Prognosen lassen ahnen, dass diese Situation weit über Ostern hinaus aufrechterhalten werden muss. Wir leiden darunter, dass wir Menschen nicht mehr treffen können. Besonders diejenigen, die einen Angehörigen im Pflegeheim oder im Krankenhaus haben, fühlen Ohnmacht, und vielleicht auch Ärger, weil sie ihnen nicht so beistehen können, wie sie es gerne tun würden.

Auch uns Pfarrerinnen fällt es schwer, dass wir Menschen nun nicht mehr von Angesicht zu Angesicht begegnen sollen, um sie zu trösten, zu ermutigen und durch das direkt zugesprochene Wort Gottes zu stärken
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Doch es gibt auch viele Menschen, denen der volle Einsatz abverlangt wird und die angesichts der vielen Aufgaben nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Geschäften des täglichen Bedarfs. Die Pflegeteams in den Krankenhäusern, Pflegeheimen, in den Sozialstationen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vielen Einrichtungen für Menschen, die Unterstützung brauchen. Sie werden jetzt mit ganzer Kraft gebraucht, und müssen sich der Gefahr aussetzen, selbst zu erkranken. Ihnen gilt unsere ganze Achtung, und auch unser Gebet. Wir bitten um Gottes Begleitung und Stärke für sie.

Wir sehen, dass an vielen Stellen Menschen jetzt aktiv werden: es gibt Einkaufsdienste, solidarische Aktionen für die Bedürftigen, die jetzt nicht mehr in den Tafelläden einkaufen können. Wenn es Ihnen möglich ist, unterstützen Sie solche Aktionen.

Um diese Zeit auch innerlich durchzustehen, brauchen wir Struktur. Da wir sie nun nicht mehr von außen durch unsere Arbeit oder die Besuche von Menschen erhalten, müssen wir uns selbst den Tag gestalten: aus dem abgeschlossenen Leben der Mönche und Nonnen wissen wir, dass der Tagesablauf klar geregelt ist: Beten, Arbeiten, Essen und Zeit zur freien Gestaltung sind festgelegt. Lassen wir uns davon leiten und gestalten wir aktiv unseren Tag: Zeit für das Gebet, für Anrufe oder Kontakte über die digitalen Medien, Zeit für einen Spaziergang und am Abend, wenn die Glocken unserer Kirchen läuten, Zeit für das gemeinsame Gebet.

Wenn abends um 19.30 Uhr die Kirchenglocken der Evangelischen Stadtkirche und der katholischen Kirchen läuten, sind wir eingeladen, eine Kerze ins Fenster zu stellen, miteinander das Vaterunser zu beten, aneinander zu denken und füreinander zu beten. Und gerne kann die Kerze auch noch länger brennen, um zu zeigen: auch wenn wir nicht direkt zusammenkommen können, so fühlen wir uns trotzdem verbunden und wissen um das, was uns belastet und stärkt.

Landesbischof July hat das wie folgt formuliert: "Die Glocken sollen uns daran erinnern, dass wir unser Leben auch in diesen Krisentagen mit dem großen Horizont der Gegenwart Gottes sehen. Die Glocken rufen uns zur Andacht und Fürbitte. Wir denken an die kranken Menschen und alle, die im medizinisch-pflegerischen Bereich, im öffentlichen Dienst, in den Familien und Nachbarschaften für Unterstützung und Hilfe sorgen."

In dieser Woche steht die Fastenaktion der evangelischen Kirche ganz im Licht von Psalm 62.

"Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. Wie lange stellt ihr alle einem nach, wollt alle ihn morden, als wäre er eine hangende Wand und eine rissige Mauer? Sie denken nur, wie sie ihn aus der Höhe stürzen, sie haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen sie. Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott. Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht." (aus Psalm 62, die Verse 2 bis 8)

Die Seele umfasst im Hebräischen viel mehr, als die deutsche Sprache es ausdrücken kann. Das hebräische Wort Näfäsch meint alles von der Kehle über den Brust- und Lungenraum bis hin zum innersten Ort, an dem wir Menschen unsere tiefen Ängste, Sorgen, aber auch Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche verborgen halten.

Dies ist auch der Raum, der in diesen Corona-Zeiten am meisten bedroht ist: die Atmungsorgane, die der Virus befällt. Die Seele, die wankt und zittert, aus Sorge um vertraute Menschen, aus Sorge um die soziale Existenz, die durch Verdienstausfall gefährdet ist, aus Sorge um den Leib und das eigene Leben.

Die Seele, diesen Bereich zwischen Kehle und Lunge, zwischen Angst und Hoffnung dürfen wir Gott anvertrauen. Wir werden wanken in diesen Zeiten, Angst spüren, uns unsicher und antriebslos erleben, aufgebracht und wütend sein. All dies können wir vor Gott ausschütten, unser ganzes Herz vor Gott offenlegen und ihn bitten, dass er uns jetzt die Kraft gibt, die wir brauchen.

Beten ist innehalten und sich für Gott öffnen, sich ihm anvertrauen und etwas von ihm erwarten. Und spüren, wie Gott uns hält und tröstet. Jeden Tag aus Neue! Bleiben Sie behütet und gesegnet.

Ihre Pfarrerinnen Susanne Richter und Margot Lenz

Liebe Mitglieder unserer Kirchengemeinde, liebe Brüder und Schwestern,

am Ende der zweiten Woche, in denen die harten Maßnahmen gegen das Corona-Virus greifen, erleben wir ganz Unterschiedliches. Was das kulturelle, gesellschaftliche, religiöse Leben angeht, so bleiben Familien im engsten Familienkreis.

Viele von uns erleben sich als ausgebremst. Das plötzliche Anhalten müssen ruft Ängste hervor. Wir fragen uns, wie wir diese Zeit durchstehen können. Prognosen lassen ahnen, dass diese Situation weit über Ostern hinaus aufrechterhalten werden muss. Wir leiden darunter, dass wir Menschen nicht mehr treffen können. Besonders diejenigen, die einen Angehörigen im Pflegeheim oder im Krankenhaus haben, fühlen Ohnmacht, und vielleicht auch Ärger, weil sie ihnen nicht so beistehen können, wie sie es gerne tun würden.

Auch uns Pfarrerinnen fällt es schwer, dass wir Menschen nun nicht mehr von Angesicht zu Angesicht begegnen sollen, um sie zu trösten, zu ermutigen und durch das direkt zugesprochene Wort Gottes zu stärken
.

Doch es gibt auch viele Menschen, denen der volle Einsatz abverlangt wird und die angesichts der vielen Aufgaben nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Geschäften des täglichen Bedarfs. Die Pflegeteams in den Krankenhäusern, Pflegeheimen, in den Sozialstationen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vielen Einrichtungen für Menschen, die Unterstützung brauchen. Sie werden jetzt mit ganzer Kraft gebraucht, und müssen sich der Gefahr aussetzen, selbst zu erkranken. Ihnen gilt unsere ganze Achtung, und auch unser Gebet. Wir bitten um Gottes Begleitung und Stärke für sie.


Wir sehen, dass an vielen Stellen Menschen jetzt aktiv werden: es gibt Einkaufsdienste, solidarische Aktionen für die Bedürftigen, die jetzt nicht mehr in den Tafelläden einkaufen können. Wenn es Ihnen möglich ist, unterstützen Sie solche Aktionen.


Um diese Zeit auch innerlich durchzustehen, brauchen wir Struktur. Da wir sie nun nicht mehr von außen durch unsere Arbeit oder die Besuche von Menschen erhalten, müssen wir uns selbst den Tag gestalten: aus dem abgeschlossenen Leben der Mönche und Nonnen wissen wir, dass der Tagesablauf klar geregelt ist: Beten, Arbeiten, Essen und Zeit zur freien Gestaltung sind festgelegt. Lassen wir uns davon leiten und gestalten wir aktiv unseren Tag: Zeit für das Gebet, für Anrufe oder Kontakte über die digitalen Medien, Zeit für einen Spaziergang und am Abend, wenn die Glocken unserer Kirchen läuten, Zeit für das gemeinsame Gebet.


Wenn abends um 19.30 Uhr die Kirchenglocken der Evangelischen Stadtkirche und der katholischen Kirchen läuten, sind wir eingeladen, eine Kerze ins Fenster zu stellen, miteinander das Vaterunser zu beten, aneinander zu denken und füreinander zu beten. Und gerne kann die Kerze auch noch länger brennen, um zu zeigen: auch wenn wir nicht direkt zusammenkommen können, so fühlen wir uns trotzdem verbunden und wissen um das, was uns belastet und stärkt.


Landesbischof July hat das wie folgt formuliert: "Die Glocken sollen uns daran erinnern, dass wir unser Leben auch in diesen Krisentagen mit dem großen Horizont der Gegenwart Gottes sehen. Die Glocken rufen uns zur Andacht und Fürbitte. Wir denken an die kranken Menschen und alle, die im medizinisch-pflegerischen Bereich, im öffentlichen Dienst, in den Familien und Nachbarschaften für Unterstützung und Hilfe sorgen."


In dieser Woche steht die Fastenaktion der evangelischen Kirche ganz im Licht von Psalm 62.


"Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. Wie lange stellt ihr alle einem nach, wollt alle ihn morden, als wäre er eine hangende Wand und eine rissige Mauer? Sie denken nur, wie sie ihn aus der Höhe stürzen, sie haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen sie. Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott. Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht." (aus Psalm 62, die Verse 2 bis 8)


Die Seele umfasst im Hebräischen viel mehr, als die deutsche Sprache es ausdrücken kann. Das hebräische Wort Näfäsch meint alles von der Kehle über den Brust- und Lungenraum bis hin zum innersten Ort, an dem wir Menschen unsere tiefen Ängste, Sorgen, aber auch Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche verborgen halten.


Dies ist auch der Raum, der in diesen Corona-Zeiten am meisten bedroht ist: die Atmungsorgane, die der Virus befällt. Die Seele, die wankt und zittert, aus Sorge um vertraute Menschen, aus Sorge um die soziale Existenz, die durch Verdienstausfall gefährdet ist, aus Sorge um den Leib und das eigene Leben.


Die Seele, diesen Bereich zwischen Kehle und Lunge, zwischen Angst und Hoffnung dürfen wir Gott anvertrauen. Wir werden wanken in diesen Zeiten, Angst spüren, uns unsicher und antriebslos erleben, aufgebracht und wütend sein. All dies können wir vor Gott ausschütten, unser ganzes Herz vor Gott offenlegen und ihn bitten, dass er uns jetzt die Kraft gibt, die wir brauchen.

Beten ist innehalten und sich für Gott öffnen, sich ihm anvertrauen und etwas von ihm erwarten. Und spüren, wie Gott uns hält und tröstet. Jeden Tag aus Neue! Bleiben Sie behütet und gesegnet.

Ihre Pfarrerinnen Susanne Richter und Margot Lenz

 


Weihnachtsgedanken 2019 von Pfarrerin Margot Lenz

 

 

Veröffentlicht am 25. Dezember 2019

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wann wird es bei Ihnen Weihnachten? Wenn in der weihnachtlichen Kirche die bekannten Lieder "Stille Nacht" oder "O du fröhliche" angestimmt werden?

Wenn der Christbaum aufgestellt und die Gans im Ofen ist? Wenn die ganze Familie versammelt ist, die Weihnachtsgeschenke ausgepackt werden und sich Freude mit Besinnlichkeit mischt?

Oder wenn am späten Abend Ruhe einkehrt, Sie die Füße hochlegen können und der Friede dieses besonderen Festes sich ausbreiten kann?

Die Bibel erzählt uns keine Geschichte von Behaglichkeit und Ruhe. Wir hören von Menschen, die unterwegs sind und verzweifelt einen Ort suchen, an dem die Frau das Kind zur Welt bringen kann.

Im Stall ist es zwar trocken, aber die Wände lassen die Kälte der Nacht herein. Wir erfahren, dass nichts vorbereitet war und die ersten Besucher des Kindes unbeholfen und staunend in den Stall stolperten, mit leeren Händen und Herzen voller Hoffnung, die die Engel geschürt hatten.

Wir erkennen, dass nicht nur die Menschen eingeladen sind in diesen Stall, sondern dass die ganze Schöpfung Anteil hat an der göttlichen Verheißung, vertreten durch Esel und Ochs, den Schafen und Hirtenhunden oder dem kleinen Getier im Stroh.

Weihnachten wird nicht vorbereitet, Weihnachten ereignet sich. Ganz unerwartet erfüllt uns die Weihnachtsfreude.

Vielleicht beim abendlichen Weg in der Stille, wenn ich spüre, dass mein Leben getragen wird.

Bei der Rückschau auf mein Leben, durch die mir klar wird, wie viel Gutes sich ereignet hat.

In einer unerwarteten Begegnung mit einem Menschen, der mir vorher ganz fremd war und dem ich mich nun nahe fühle wie einem Bruder oder einer Schwester.

Oder auch, wenn es gelingt, einen lange währenden Streit endlich beizulegen und wieder miteinander zu reden.

Weihnachten zu feiern und alte Traditionen weiterzuführen, nimmt auch bei uns in Ehingen nach und nach ab. Man mag das bedauern, oder man sieht es als Chance, Weihnachten neu zu verstehen und zu begehen.

Die Nachricht von der Geburt des lange erwarteten Retters als Kind in einem Stall war auch für die frühe christliche Gemeinde eine ganz neue Erfahrung.

Vorstellungen und Erwartungen zu verändern, ist immer ein Weg. Er braucht Zeit und die Erfahrung, dass das Neue trägt und weiterführt.

Wir feiern Weihnachten und werden auch in diesem Jahr erleben, dass die Welt um uns viel Unweihnachtliches bereit hält.

Verzagen wir nicht, sondern suchen wir eigene Wege, der Weihnachtsfreude Tor und Tür zu öffnen. Mit alten, vertrauten Traditionen oder auf neue Weise, die uns die Botschaft von der Geburt des Kindes nahebringt.

Ich wünsche uns allen, dass es bei uns Weihnachten wird und wir erleben, wie uns dieses neugeborene Kind trägt, ermutigt und fröhlich macht.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wann wird es bei Ihnen Weihnachten? Wenn in der weihnachtlichen Kirche die bekannten Lieder "Stille Nacht" oder "O du fröhliche" angestimmt werden?

Wenn der Christbaum aufgestellt und die Gans im Ofen ist? Wenn die ganze Familie versammelt ist, die Weihnachtsgeschenke ausgepackt werden und sich Freude mit Besinnlichkeit mischt?

Oder wenn am späten Abend Ruhe einkehrt, Sie die Füße hochlegen können und der Friede dieses besonderen Festes sich ausbreiten kann?

Die Bibel erzählt uns keine Geschichte von Behaglichkeit und Ruhe. Wir hören von Menschen, die unterwegs sind und verzweifelt einen Ort suchen, an dem die Frau das Kind zur Welt bringen kann.

Im Stall ist es zwar trocken, aber die Wände lassen die Kälte der Nacht herein. Wir erfahren, dass nichts vorbereitet war und die ersten Besucher des Kindes unbeholfen und staunend in den Stall stolperten, mit leeren Händen und Herzen voller Hoffnung, die die Engel geschürt hatten.

Wir erkennen, dass nicht nur die Menschen eingeladen sind in diesen Stall, sondern dass die ganze Schöpfung Anteil hat an der göttlichen Verheißung, vertreten durch Esel und Ochs, den Schafen und Hirtenhunden oder dem kleinen Getier im Stroh.

Weihnachten wird nicht vorbereitet, Weihnachten ereignet sich. Ganz unerwartet erfüllt uns die Weihnachtsfreude.

Vielleicht beim abendlichen Weg in der Stille, wenn ich spüre, dass mein Leben getragen wird.

Bei der Rückschau auf mein Leben, durch die mir klar wird, wie viel Gutes sich ereignet hat.

In einer unerwarteten Begegnung mit einem Menschen, der mir vorher ganz fremd war und dem ich mich nun nahe fühle wie einem Bruder oder einer Schwester.

Oder auch, wenn es gelingt, einen lange währenden Streit endlich beizulegen und wieder miteinander zu reden.

Weihnachten zu feiern und alte Traditionen weiterzuführen, nimmt auch bei uns in Ehingen nach und nach ab. Man mag das bedauern, oder man sieht es als Chance, Weihnachten neu zu verstehen und zu begehen.

Die Nachricht von der Geburt des lange erwarteten Retters als Kind in einem Stall war auch für die frühe christliche Gemeinde eine ganz neue Erfahrung.

Vorstellungen und Erwartungen zu verändern, ist immer ein Weg. Er braucht Zeit und die Erfahrung, dass das Neue trägt und weiterführt.

Wir feiern Weihnachten und werden auch in diesem Jahr erleben, dass die Welt um uns viel Unweihnachtliches bereit hält.

Verzagen wir nicht, sondern suchen wir eigene Wege, der Weihnachtsfreude Tor und Tür zu öffnen. Mit alten, vertrauten Traditionen oder auf neue Weise, die uns die Botschaft von der Geburt des Kindes nahebringt.

Ich wünsche uns allen, dass es bei uns Weihnachten wird und wir erleben, wie uns dieses neugeborene Kind trägt, ermutigt und fröhlich macht
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Eine Predigt von Pfarrerin Susanne Richter zum Vierten Advent

 

 

Veröffentlicht am 22. Dezember 2019

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Dann seid ihr niemandem etwas schuldig - außer einander zu lieben. Denn wer andere liebt, hat die Tora erfüllt. Die Gebote: Du darfst die Ehe nicht brechen, niemanden zu Tode bringen, nicht stehlen, nicht gieren und so weiter sind in diesem einen Satz zusammengefasst: Liebe deine Nächste und deinen Nächsten wie dich selbst. Die Liebe tut den Mitmenschen nichts Böses. Die Fülle der Tora ist die Liebe. Und das alles in der Gewissheit um die besondere Zeit. Denn die Stunde ist schon da, aus dem Schlaf aufzuwachen. Denn jetzt! ist die Überwindung der Gewalten näher als zu der Zeit, als wir zu glauben begannen. Die Nacht kommt an ihr Ende, der Tag naht. Lasst uns nun die Machenschaften der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anlegen.
Brief an die Gemeinde in Rom, Kapitel 13, die Verse 8 bis 12 aus der Bibel in gerechter Sprache

 

 

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Liebe Gemeinde,

"Die Nacht ist bald vorüber, der Tag naht. Lasst uns nun die Machenschaften der Finsternis ablegen. Lasst uns die Rüstung des Lichts anlegen. (...) die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen. Jetzt!"

Heute am 4. Advent hören wir diese klaren Worte des Apostels Paulus in einen Moment hinein, wo jede und jeder von Ihnen vielleicht eher besinnliche Worte erwartet. Einkehr und Stille gehören doch eher in unsere Stimme zu Beginn der bevorstehenden Weihnachtszeit.

Vielleicht haben Sie heute Morgen schon mit Ihren Kindern, Enkel- oder Urenkelkindern die vierte Kerze am Adventskranz entzündet und in strahlende Kinderaugen geblickt. Das Entzünden des Kerzenlichtes am Adventskranz ist bis heute häufig ein besonders Ritual.

Auch wir haben heute im Gottesdienst diese vier Kerzen entzündet. Dieses Ritual berührt uns auch noch im Innersten. Es erinnert uns vielleicht an unsere eigene Kindheit.

Vielleicht kommt in manchen von Ihnen auch Trauer hoch. "Wie schön war es, als wir das noch zu zweit erlebt haben!" Oder Sie spüren einfach Ihre innere Einsamkeit.

Andere sind
heute Morgen dankbar, den vorweihnachtlichen Stress, das Backen der Plätzchen, das Schmücken der Wohnstube, das Basteln oder Kaufen der Weihnachtsgeschenke hinter sich zu haben. Endlich für einen kurzen Moment zur Ruhe kommen, zu sich selbst vor den hektischen nächsten Vorbereitungen und Terminen.

Ja, ich kann mich gut da miteinfinden. Und dann diese Worte, die uns auffordern, aufzuwachen. Jetzt!

Doch es gibt auch eine Stimme in mir, die sagt: "Ja, das ist wirklich wahr. Endlich sagt es mir und uns mal wieder jemand! Gerade vielleicht heute Morgen, wo ich auf etwas ganz anderes eingestellt bin.

Dann passt es für mich genau in die endende Adventszeit. Denn diese Zeit im Kirchenjahr ist eine Zeit der Einkehr und Umkehr, der Besinnung und der Neubesinnung, der Orientierung und der Neuorientierung.

In der Kirchenfarbe wird das ebenfalls sichtbar, im Violett. Ich prüfe, was ich wahrnehme. Wo erlebe ich die finsteren Seiten des Lebens in mir selbst?

In meinem Alltag erlebe ich mich selbst, aber auch viele andere schlecht gelaunt, ärgerlich, genervt, gestresst. Wie geht es Ihnen und Euch heute Morgen? Ich lade Sie und Eich dazu ein, für einen kurzen Moment dem eigenen momentanen Gefühl in der Stille nachzuspüren ...

Kann ich immer unterscheiden, was finster und was hell ist? Oder verschwimmt es manchmal ineinander? Ich schärfe meine Sinne. Was kann mir dabei helfen?

Ich bin zutiefst überzeugt, allein wahrhaftige Liebe, Liebe von Herz zu Herz - ist Gottes Geschenk an uns. Wir selbst sind als Geschöpfe Gottes Ausdruck seiner Liebe, Liebesstrahlen Gottes in dieser Welt.

Paulus sagt: Die Liebe erfüllt die Tora, die Gebote, für ein Miteinander in Gottes Welt. Sie orientiert sich an dem, was der Mensch braucht, mein Mitmensch wie ich selbst.

Wo bin ich als Mensch gefährdet, mich aus Angst, nicht dazuzugehören, vollständig anzupassen und den Kontakt zu mir selbst zu verlieren? Wer bekommt meinen Ärger ab? Wem gegenüber bin ich neidisch und gönne ihm "die Wurst auf dem Brot" nicht?

Ich frage mich: Wo und warum haben Menschen ihre Würde verloren? An welchen Stellen ist der Profit im Vordergrund, auch wenn das Leben von Menschen auf dem Spiel steht?

Wo bin ich gefragt, diesen Mechanismus zu durchschauen, ihm zu widerstehen oder gar ihn aufzudecken und ans Licht zu bringen.

Das Entzünden des Lichtes am Adventskranz erinnert mich, dass auch ich als Schwester Jesu Christi Licht bin und den Auftrag habe, mein Licht in dieser Welt aufstrahlen zu lassen.

Paulus spricht von der Rüstung des Lichts. Wie klingt das in Ihren und Euren Ohren? Die Älteren unter Ihnen, die selbst im Krieg waren oder unter den Folgen des Krieges gelitten haben? Sie als junge Eltern, die Verantwortung für Kinder haben? Ihr als Konfirmandinnen und Konfirmanden, Jugendliche, junge Menschen?

Wie können wir das Bild verstehen?

Eine Rüstung schützt einen Menschen vor feindlichen Angriffen im Kampf. Ich bin überzeugt, ein Krieg führt nie zu einem Frieden. Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Das ist für mich wider das Gebot: "Du sollst niemanden zu Tode bringen." Und damit verstößt es gegen das sogenannte Doppelgebot der Liebe: "Liebe deine Nächste und deinen Nächsten wie dich selbst."

Die Rüstung des Lichts im übertragenen Sinne verstehe ich als einen Schutz im Kampf im Alltag. Sie schützt mich vor den bewussten oder unbewussten Angriffen meiner Mitmenschen, die mich sonst tief in meiner Seele verletzen, weil ich deren Verhalten als respektlos erlebe.

Das kann der Nachbar sein, der wieder seine Musik so laut hört, dass ich keine Ruhe finde. Das kann die Kollegin oder der Chef sein, die oder der mich grundlos anschreit oder mir einen Fehler in der Öffentlichkeit aufs Brot schmiert. Es kann der Mann sein, der gerade in der Schlange an der Kasse vor mir steht und mich anmacht, oder die Frau, die so an mir vorbeihetzt, dass mir beinahe die Tasche aus der Hand fällt.

Als kleines Kind konnte ich mich nicht genügend schützen. Um zu überleben, habe ich meine Bedürfnisse immer hintenangestellt und irgendwann gar nicht mehr gespürt. Heute lerne ich, mich zu schützen.

Ich stelle mir vor, wie die feindlichen Angriffe an meiner Rüstung abprallen, statt in die Wunde meiner Seele zu stoßen.

Vielleicht kann ich mich mit dieser schützenden Rüstung dem Angriff sogar ganz bewusst stellen. Denn das Licht wirft einen hellen Schein auf mich und den Angreifenden.  Die Schatten von uns werden sichtbar, vielleicht, so hoffe ich, auch einmal durch das Licht verwandelt. Zumindest verliert der Angriff seine Stoßkraft.

Licht und Finsternis, zwei Pole, die zu unserem Menschsein auf dieser Erde gehören. Erst wo Licht ist, können wir auch die Finsternis sehen, den Schatten, den das Licht wirft. Beides gehört zum Leben.

Ziel ist, dass wir uns immer mehr zum Licht hinentwickeln. Und immer wieder ist die Liebe von Herz zu Herz der Maßstab, das Kriterium für all das, was ich tue.

Diese Liebe kann niemand für sich behalten. Sie wird immer überfließen in ein Handeln für das menschliche Leben, mein eigenes und das meiner Nächsten.

Wahrhaftige Liebe sieht mit dem Herzen das Herz des Anderen. Sie kann die eigenen Schwächen, finstere Anteile im Spiegel der Anderen sehen, aber sie wird nicht davon getroffen. Sie kann sich für das Licht zugunsten eines menschenwürdigen Miteinanders entscheiden, in dem es keine Gewinner und Verliererinnen mehr gibt.

Liebe Gemeinde,

heute am 4. Advent lasse ich mich wieder daran erinnern, dass auch ich in meinem Alltag auf Momente der Stille angewiesen bin, um mich zu besinnen: Was brauche ich, damit ich zufrieden bin?

Das geht oft in meinem Alltag, in all der Hektik, in der sich viele von uns befinden, unter. Ja, noch mehr, ich behaupte, dass ich mir diese Hektik häufig selbst schaffe, um nicht zu spüren, was mir in der Tiefe meines Seins fehlt.

Oder ich lenke mich ab, um es nicht merken zu müssen, dass ich gerade zutiefst traurig oder einsam bin, vielleicht auch gereizt oder wütend, weil manches in einem Leben nicht so ist, wie ich es gerne hätte. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Vielleicht ist es aber auch schon lange so zugedeckt, gut versteckt, damit es ja niemand bemerkt, auch ich selbst nicht.

Wenn ich das von Neuem, entdecken darf, meine Mangelstellen in mein Bewusstsein hineinlasse, dann habe ich die Möglichkeit, es zunächst zu betrauern. In einem zweiten Schritt frage ich mich: Wie gelingt es mir, diese Bedürfnisse in der Tiefe zu stillen?

Statt mich abzulenken, schaue ich mutig hin und schärfe mein Bewusstsein. Wenn ich lerne gut für mich zu sorgen, kann ich auch wahrnehmen, was meine Nächsten, meine Mitmenschen brauchen. Ich kann ihnen mit Liebe aus dem Herzen, mit Mitgefühl, begegnen.

Ich kann in meinem Umfeld die Machenschaften der Finsternis: Neid, Gier, Kampf, Krieg ablegen. Welche Wohltat, wenn mir das gelingt! Welch innere Zufriedenheit macht sich breit, wenn ich diese Haltung ausstrahle.

Dann bleibt es nicht bei einer von außen an mich herangetragenen Aufforderung "Du musst...", sondern es wird zu einem inneren Auftrag. Nur wer sich selbst liebt, kann seine Mitmenschen wahrhaftig lieben.

Es ist ein langer Weg. Doch wer ihn geht, weiß welche Chance er birgt, welche Ehrlichkeit und tiefe Wahrheit ans Licht kommen. In diesem Bewusstsein kann ich mich jeden Tag neu entscheiden, nehme ich mir Raum für mich, schaue ich hin oder schaue ich weg. Manchmal gelingt es mir, hinzuschauen und manchmal ist es mir nicht möglich.

Auch das darf sein ohne es zu beurteilen, geschweige denn zu verurteilen. Die wahre Liebe urteilt und verurteilt nicht, sie nimmt wahr und nimmt an: "So ist es gerade."

Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich mich wieder neu entscheiden. Diese wahrhaft göttliche Liebe kennt weder Zeit noch Raum, sie ist ewig.

In jeder und jedem von uns steckt diese Liebe. Suchen wir sie! Verbinden wir uns mit der göttlichen Liebe hier auf der Erde! Jetzt!

"Die Nacht ist bald vorüber, der Tag naht. Lasst uns nun die Machenschaften der Finsternis ablegen. Lasst uns die Rüstung des Lichts anlegen. (...) die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen. Jetzt!"

Amen.

Liebe Gemeinde,

"Die Nacht ist bald vorüber, der Tag naht. Lasst uns nun die Machenschaften der Finsternis ablegen. Lasst uns die Rüstung des Lichts anlegen. (...) die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen. Jetzt!"


Heute am 4. Advent hören wir diese klaren Worte des Apostels Paulus in einen Moment hinein, wo jede und jeder von Ihnen vielleicht eher besinnliche Worte erwartet. Einkehr und Stille gehören doch eher in unsere Stimme zu Beginn der bevorstehenden Weihnachtszeit.


Vielleicht haben Sie heute Morgen schon mit Ihren Kindern, Enkel- oder Urenkelkindern die vierte Kerze am Adventskranz entzündet und in strahlende Kinderaugen geblickt. Das Entzünden des Kerzenlichtes am Adventskranz ist bis heute häufig ein besonders Ritual.


Auch wir haben heute im Gottesdienst diese vier Kerzen entzündet. Dieses Ritual berührt uns auch noch im Innersten. Es erinnert uns vielleicht an unsere eigene Kindheit.


Vielleicht kommt in manchen von Ihnen auch Trauer hoch. "Wie schön war es, als wir das noch zu zweit erlebt haben!" Oder Sie spüren einfach Ihre innere Einsamkeit.


Andere sind
heute Morgen dankbar, den vorweihnachtlichen Stress, das Backen der Plätzchen, das Schmücken der Wohnstube, das Basteln oder Kaufen der Weihnachtsgeschenke hinter sich zu haben. Endlich für einen kurzen Moment zur Ruhe kommen, zu sich selbst vor den hektischen nächsten Vorbereitungen und Terminen.


Ja, ich kann mich gut da miteinfinden. Und dann diese Worte, die uns auffordern, aufzuwachen. Jetzt!


Doch es gibt auch eine Stimme in mir, die sagt: "Ja, das ist wirklich wahr. Endlich sagt es mir und uns mal wieder jemand! Gerade vielleicht heute Morgen, wo ich auf etwas ganz anderes eingestellt bin.


Dann passt es für mich genau in die endende Adventszeit. Denn diese Zeit im Kirchenjahr ist eine Zeit der Einkehr und Umkehr, der Besinnung und der Neubesinnung, der Orientierung und der Neuorientierung.


In der Kirchenfarbe wird das ebenfalls sichtbar, im Violett. Ich prüfe, was ich wahrnehme. Wo erlebe ich die finsteren Seiten des Lebens in mir selbst?

In meinem Alltag erlebe ich mich selbst, aber auch viele andere schlecht gelaunt, ärgerlich, genervt, gestresst. Wie geht es Ihnen und Euch heute Morgen? Ich lade Sie und Eich dazu ein, für einen kurzen Moment dem eigenen momentanen Gefühl in der Stille nachzuspüren ...

Kann ich immer unterscheiden, was finster und was hell ist? Oder verschwimmt es manchmal ineinander? Ich schärfe meine Sinne. Was kann mir dabei helfen?

Ich bin zutiefst überzeugt, allein wahrhaftige Liebe, Liebe von Herz zu Herz - ist Gottes Geschenk an uns. Wir selbst sind als Geschöpfe Gottes Ausdruck seiner Liebe, Liebesstrahlen Gottes in dieser Welt.


Paulus sagt: Die Liebe erfüllt die Tora, die Gebote, für ein Miteinander in Gottes Welt. Sie orientiert sich an dem, was der Mensch braucht, mein Mitmensch wie ich selbst.

Wo bin ich als Mensch gefährdet, mich aus Angst, nicht dazuzugehören, vollständig anzupassen und den Kontakt zu mir selbst zu verlieren? Wer bekommt meinen Ärger ab? Wem gegenüber bin ich neidisch und gönne ihm "die Wurst auf dem Brot" nicht?

Ich frage mich: Wo und warum haben Menschen ihre Würde verloren? An welchen Stellen ist der Profit im Vordergrund, auch wenn das Leben von Menschen auf dem Spiel steht?

Wo bin ich gefragt, diesen Mechanismus zu durchschauen, ihm zu widerstehen oder gar ihn aufzudecken und ans Licht zu bringen.


Das Entzünden des Lichtes am Adventskranz erinnert mich, dass auch ich als Schwester Jesu Christi Licht bin und den Auftrag habe, mein Licht in dieser Welt aufstrahlen zu lassen.

Paulus spricht von der Rüstung des Lichts. Wie klingt das in Ihren und Euren Ohren? Die Älteren unter Ihnen, die selbst im Krieg waren oder unter den Folgen des Krieges gelitten haben? Sie als junge Eltern, die Verantwortung für Kinder haben? Ihr als Konfirmandinnen und Konfirmanden, Jugendliche, junge Menschen?

Wie können wir das Bild verstehen?

Eine Rüstung schützt einen Menschen vor feindlichen Angriffen im Kampf. Ich bin überzeugt, ein Krieg führt nie zu einem Frieden. Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Das ist für mich wider das Gebot: "Du sollst niemanden zu Tode bringen." Und damit verstößt es gegen das sogenannte Doppelgebot der Liebe: "Liebe deine Nächste und deinen Nächsten wie dich selbst."

Die Rüstung des Lichts im übertragenen Sinne verstehe ich als einen Schutz im Kampf im Alltag. Sie schützt mich vor den bewussten oder unbewussten Angriffen meiner Mitmenschen, die mich sonst tief in meiner Seele verletzen, weil ich deren Verhalten als respektlos erlebe.

Das kann der Nachbar sein, der wieder seine Musik so laut hört, dass ich keine Ruhe finde. Das kann die Kollegin oder der Chef sein, die oder der mich grundlos anschreit oder mir einen Fehler in der Öffentlichkeit aufs Brot schmiert. Es kann der Mann sein, der gerade in der Schlange an der Kasse vor mir steht und mich anmacht, oder die Frau, die so an mir vorbeihetzt, dass mir beinahe die Tasche aus der Hand fällt.


Als kleines Kind konnte ich mich nicht genügend schützen. Um zu überleben, habe ich meine Bedürfnisse immer hintenangestellt und irgendwann gar nicht mehr gespürt. Heute lerne ich, mich zu schützen.

Ich stelle mir vor, wie die feindlichen Angriffe an meiner Rüstung abprallen, statt in die Wunde meiner Seele zu stoßen.

Vielleicht kann ich mich mit dieser schützenden Rüstung dem Angriff sogar ganz bewusst stellen. Denn das Licht wirft einen hellen Schein auf mich und den Angreifenden.  Die Schatten von uns werden sichtbar, vielleicht, so hoffe ich, auch einmal durch das Licht verwandelt. Zumindest verliert der Angriff seine Stoßkraft.

Licht und Finsternis, zwei Pole, die zu unserem Menschsein auf dieser Erde gehören. Erst wo Licht ist, können wir auch die Finsternis sehen, den Schatten, den das Licht wirft. Beides gehört zum Leben.

Ziel ist, dass wir uns immer mehr zum Licht hinentwickeln. Und immer wieder ist die Liebe von Herz zu Herz der Maßstab, das Kriterium für all das, was ich tue.

Diese Liebe kann niemand für sich behalten. Sie wird immer überfließen in ein Handeln für das menschliche Leben, mein eigenes und das meiner Nächsten.

Wahrhaftige Liebe sieht mit dem Herzen das Herz des Anderen. Sie kann die eigenen Schwächen, finstere Anteile im Spiegel der Anderen sehen, aber sie wird nicht davon getroffen. Sie kann sich für das Licht zugunsten eines menschenwürdigen Miteinanders entscheiden, in dem es keine Gewinner und Verliererinnen mehr gibt.

Liebe Gemeinde,

heute am 4. Advent lasse ich mich wieder daran erinnern, dass auch ich in meinem Alltag auf Momente der Stille angewiesen bin, um mich zu besinnen: Was brauche ich, damit ich zufrieden bin?

Das geht oft in meinem Alltag, in all der Hektik, in der sich viele von uns befinden, unter. Ja, noch mehr, ich behaupte, dass ich mir diese Hektik häufig selbst schaffe, um nicht zu spüren, was mir in der Tiefe meines Seins fehlt.

Oder ich lenke mich ab, um es nicht merken zu müssen, dass ich gerade zutiefst traurig oder einsam bin, vielleicht auch gereizt oder wütend, weil manches in einem Leben nicht so ist, wie ich es gerne hätte. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Vielleicht ist es aber auch schon lange so zugedeckt, gut versteckt, damit es ja niemand bemerkt, auch ich selbst nicht.

Wenn ich das von Neuem, entdecken darf, meine Mangelstellen in mein Bewusstsein hineinlasse, dann habe ich die Möglichkeit, es zunächst zu betrauern. In einem zweiten Schritt frage ich mich: Wie gelingt es mir, diese Bedürfnisse in der Tiefe zu stillen?

Statt mich abzulenken, schaue ich mutig hin und schärfe mein Bewusstsein. Wenn ich lerne gut für mich zu sorgen, kann ich auch wahrnehmen, was meine Nächsten, meine Mitmenschen brauchen. Ich kann ihnen mit Liebe aus dem Herzen, mit Mitgefühl, begegnen.

Ich kann in meinem Umfeld die Machenschaften der Finsternis: Neid, Gier, Kampf, Krieg ablegen. Welche Wohltat, wenn mir das gelingt! Welch innere Zufriedenheit macht sich breit, wenn ich diese Haltung ausstrahle.

Dann bleibt es nicht bei einer von außen an mich herangetragenen Aufforderung "Du musst...", sondern es wird zu einem inneren Auftrag. Nur wer sich selbst liebt, kann seine Mitmenschen wahrhaftig lieben.

Es ist ein langer Weg. Doch wer ihn geht, weiß welche Chance er birgt, welche Ehrlichkeit und tiefe Wahrheit ans Licht kommen. In diesem Bewusstsein kann ich mich jeden Tag neu entscheiden, nehme ich mir Raum für mich, schaue ich hin oder schaue ich weg. Manchmal gelingt es mir, hinzuschauen und manchmal ist es mir nicht möglich.

Auch das darf sein ohne es zu beurteilen, geschweige denn zu verurteilen. Die wahre Liebe urteilt und verurteilt nicht, sie nimmt wahr und nimmt an: "So ist es gerade."

Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich mich wieder neu entscheiden. Diese wahrhaft göttliche Liebe kennt weder Zeit noch Raum, sie ist ewig.

In jeder und jedem von uns steckt diese Liebe. Suchen wir sie! Verbinden wir uns mit der göttlichen Liebe hier auf der Erde! Jetzt!

"Die Nacht ist bald vorüber, der Tag naht. Lasst uns nun die Machenschaften der Finsternis ablegen. Lasst uns die Rüstung des Lichts anlegen. (...) die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen. Jetzt!"

Amen.

 

Ostergedanken 2019 von Pfarrerin Susanne Richter

 

 

Veröffentlicht am 20. April 2019

An Ostern feiern Christinnen und Christen den Neuanfang des Lebens inmitten einer zerbrechlichen, von Lieblosigkeit und Leid, von Unfrieden und Vergänglichkeit gezeichneten Welt.

Wir erinnern uns an Jesu Weg der Liebe, der ihn durch Leid und Tod hinein in ein neues Leben führt.


Wer selbst diesen Weg der Liebe bewusst schon gegangen ist und ihn immer wieder von neuem geht, weiß, dass Wachsen und Reifen sich auf diese Weise vollzieht.


Täglich gehen wir diesen Weg, ob bewusst oder unbewusst. Jedes Mal gelangen wir auf unserem inneren Wachstumsweg ein Stückchen weiter.


Manchmal sind wir deprimiert, weil wir das Gefühl haben: das kennen wir doch schon. Wir hatten gehofft, schon ein Stückchen weiter zu sein.


Diesen inneren Wachstumsprozess können wir sichtbar machen am Symbol der Spirale. Es ist ein uraltes Symbol für Wachstum
.

An Ostern feiern Christinnen und Christen den Neuanfang des Lebens inmitten einer zerbrechlichen, von Lieblosigkeit und Leid, von Unfrieden und Vergänglichkeit gezeichneten Welt.

Wir erinnern uns an Jesu Weg der Liebe, der ihn durch Leid und Tod hinein in ein neues Leben führt.

Wer selbst diesen Weg der Liebe bewusst schon gegangen ist und ihn immer wieder von neuem geht, weiß, dass Wachsen und Reifen sich auf diese Weise vollzieht.

Täglich gehen wir diesen Weg, ob bewusst oder unbewusst. Jedes Mal gelangen wir auf unserem inneren Wachstumsweg ein Stückchen weiter.

Manchmal sind wir deprimiert, weil wir das Gefühl haben: das kennen wir doch schon. Wir hatten gehofft, schon ein Stückchen weiter zu sein.

Diesen inneren Wachstumsprozess können wir sichtbar machen am Symbol der Spirale. Es ist ein uraltes Symbol für Wachstum
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Von einem Punkt aus erweitert sich diese Form. Auch in den Spiralnebeln des Universums und in vielen Pflanzenformen ist sie zu finden.

Seitjeher ist die Spirale Symbol für Erneuerung, der Lebenskraft und der geistigen Öffnung.

Wenn wir das Gefühl haben, an diesem Punkt waren wir schon einmal, dann sind wir meist eine Ebene weiter. Aber nur, wenn wir bereit sind, immer wieder an den scheinbar gleichen Punkt zu gehen, können wir wachsen und reifen.

Es gilt, Manches auf dem inneren Weg zu verabschieden, alte Muster loszulassen, damit es Platz gibt, Neues auszuprobieren. Und manchmal sind unsere vertrauten Verhaltensweisen sehr hartnäckig.

Sie geben uns ja schließlich Sicherheit, sind ein Stück weit erprobte Überlebensstrategien. Und da braucht es Mut, wirklich tief in sich hin einzutauchen und wirklich loszulassen.

Wie gut, dass wir jedes Jahr an Ostern feiern, jedes Jahr die Möglichkeit für jede und jeden Einzelnen von uns, ein Stück in der Spirale weiterzugehen, innerlich zu wachsen.

Von einem Punkt aus erweitert sich diese Form. Auch in den Spiralnebeln des Universums und in vielen Pflanzenformen ist sie zu finden.

Seitjeher ist die Spirale Symbol für Erneuerung, der Lebenskraft und der geistigen Öffnung.

Wenn wir das Gefühl haben, an diesem Punkt waren wir schon einmal, dann sind wir meist eine Ebene weiter. Aber nur, wenn wir bereit sind, immer wieder an den scheinbar gleichen Punkt zu gehen, können wir wachsen und reifen.

Es gilt, Manches auf dem inneren Weg zu verabschieden, alte Muster loszulassen, damit es Platz gibt, Neues auszuprobieren. Und manchmal sind unsere vertrauten Verhaltensweisen sehr hartnäckig.

Sie geben uns ja schließlich Sicherheit, sind ein Stück weit erprobte Überlebensstrategien. Und da braucht es Mut, wirklich tief in sich hin einzutauchen und wirklich loszulassen.

Wie gut, dass wir jedes Jahr an Ostern feiern, jedes Jahr die Möglichkeit für jede und jeden Einzelnen von uns, ein Stück in der Spirale weiterzugehen, innerlich zu wachsen.

 
 
 

Diese Spirale ist entstanden während der Ersten Ehinger Vesperkirche im Kirchgarten an der Lindenstraße.

Die Idee dazu hatten Anne Linder und Volker Sonntag. Die Steine von der Schwäbischen Alb stehen für die Lasten, die Menschen bedrücken: Schicksalsschläge und Krankheiten, finanzielle Not, Wohnprobleme, Streitigkeiten und Lebensängste.

Das können wir oft nicht ändern, aber mildern: mit Hinwendung, Zeit für ein Gespräch, Rücksichtnahme und aktivem Handeln bewirken wir soziale Wärme und dürfen erleben, wie diese positive Energie auf uns zurückstrahlt.

Mit unserem Verhalten formen wir die Natur und unser soziales Umfeld. Wenn wir es geringschätzen und egoistisch für unsere Zwecke ausnutzen, bewirken wir soziale Kälte, negative Gefühle und Leid. Auch das strahlt auf uns zurück.

Jesus hat das klar benannt: Gebt, so wird gegeben. Wir haben diese Steine beschriftet mit dem, was jede und jeder Einzelne von uns zu einem erfüllten Leben beitragen kann: Offenheit, Vertrauen, Liebe, Zuwendung, Frieden...

Sie können die Steine in Gedanken weiter beschriften und diesen Weg für sich innerlich jeden Tag von Neuem in der Tiefe Ihres Seins gehen, Schritt für Schritt.

Vielleicht mögen Sie diesen Weg des Wachstums auch sichtbar in dieser Spirale gehen. Vielleicht mögen Sie den Weg vom Dunkel ins Licht mit anderen zusammen in der Gemeinschaft am Ostermorgen im Gottesdienst gehen. Wo und wann auch immer, gehen Sie ihn bewusst in Ihrem Tempo.

Frohe und Gesegnete Ostern!

Diese Spirale ist entstanden während der Ersten Ehinger Vesperkirche im Kirchgarten an der Lindenstraße.

Die Idee dazu hatten Anne Linder und Volker Sonntag. Die Steine von der Schwäbischen Alb stehen für die Lasten, die Menschen bedrücken: Schicksalsschläge und Krankheiten, finanzielle Not, Wohnprobleme, Streitigkeiten und Lebensängste.

Das können wir oft nicht ändern, aber mildern: mit Hinwendung, Zeit für ein Gespräch, Rücksichtnahme und aktivem Handeln bewirken wir soziale Wärme und dürfen erleben, wie diese positive Energie auf uns zurückstrahlt.

Mit unserem Verhalten formen wir die Natur und unser soziales Umfeld. Wenn wir es geringschätzen und egoistisch für unsere Zwecke ausnutzen, bewirken wir soziale Kälte, negative Gefühle und Leid. Auch das strahlt auf uns zurück.

Jesus hat das klar benannt: Gebt, so wird gegeben. Wir haben diese Steine beschriftet mit dem, was jede und jeder Einzelne von uns zu einem erfüllten Leben beitragen kann: Offenheit, Vertrauen, Liebe, Zuwendung, Frieden...

Sie können die Steine in Gedanken weiter beschriften und diesen Weg für sich innerlich jeden Tag von Neuem in der Tiefe Ihres Seins gehen, Schritt für Schritt.

Vielleicht mögen Sie diesen Weg des Wachstums auch sichtbar in dieser Spirale gehen. Vielleicht mögen Sie den Weg vom Dunkel ins Licht mit anderen zusammen in der Gemeinschaft am Ostermorgen im Gottesdienst gehen. Wo und wann auch immer, gehen Sie ihn bewusst in Ihrem Tempo.

Frohe und Gesegnete Ostern!

 

Weihnachtsgedanken 2018 von Pfarrerin Susanne Richter

 

 

Veröffentlicht am 25. Dezember 2018

An vielen Orten stehen die weihnachtlich geschmückten Tannenbäume, Glitzer oder Lichterketten tauchen vieles in Licht, was sonst im Dunkeln bleibt.

Zugleich hüllt es manches ein, was nicht so gerne gesehen und gezeigt wird - das Licht, aus dem das heilige und unendliche Licht Gottes aufscheint. Und wie sehr sehnen wir uns nach diesem Licht.

Weihnachten bringt uns Jahr für Jahr mit unserer Sehnsucht nach heilem, gelingendem Leben in Berührung. Einem Leben, in dem nicht das Vordergründige zählt, in dem nicht nach Hörensagen abgeurteilt wird und mit dem ersten Blick das vernichtende Urteil gesprochen wird: "So einer oder so eine bist du also ..."

Weihnachten bringt uns mit unserer Sehnsucht nach einem gerechten Leben in Berührung. Einem Leben, in dem auch die Schwächeren und Langsameren eine Chance haben. Einem Leben, in dem die Menschen einander ebenbürtig, auf Augenhöhe begegnen. Einem Leben, das nicht auf Kosten anderer geführt wird, wo es weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Weihnachten erinnert uns Jahr für Jahr an unsere Sehnsucht nach Heil und Frieden, dass alles Zwielichtige und Zweideutige verschwunden sein möge.

Vielleicht verspüren wir auch den Wunsch, noch einmal neu anfangen zu dürfen, frei von quälenden Zweifeln und unbelastet von dunklen Erfahrungen, noch einmal alle Möglichkeiten offen zu haben, gleich einem Kind, gleich diesem Kind in der Krippe - das ist unsere Lebenssehnsucht.

Es ist eine Sehnsucht, die die sich nicht mit dem Vorfindlichen abgibt, sondern von der Hoffnung auf Größeres lebt. Sie lebt von der Begegnung mit Gott, die unser Leben verwandelt.

Die Sehnsucht wartet auf das Wunder des neuen Lebens.

Die Bibel berichtet uns in einem wunderschönen Gedicht über diese Sehnsucht. Dieses Lied singt uns mitten ins Herz.

Es wird ein Mensch kommen, in dem Gottes Geist ganz und ungebrochen da ist. Dieser Mensch hat den Geist der Weisheit, den Geist des Verstandes, den Geist des Rates und den Geist der Stärke.

Dieser Mensch verändert die Welt. Er wagt das Neue mitten im Alten. Sein Antlitz sehen wir an Weihnachten in der Krippe.

Seine Liebe ist die Kraft, die Menschen verwandelt - aus einem toten Baumstumpf entsteht ein neues Reis des Lebens.

Dieser Mensch Jesus ist unser Bruder. Er innert uns daran, was wir in Wahrheit sind: Gottes Kinder. In uns allen will dieses Licht aufleuchten - gerade so, wie unser Leben ausschaut, strahlt unser göttliches Licht in diese Welt hinaus, wenn wir uns mit den himmlischen Kräften verbinden.

Dieses Licht zeigt uns auch die Schatten dieser Welt, unsere Schatten. Aber es verurteilt nicht, sondern heilt, bringt Frieden in die Wunden dieser Welt.

Widersprüchliches kann beieinander sein. Wolf und Lamm, Kalb und Löwe, Kinder und Schlangen - sie alle leben friedlich in einer Welt, machen sich nicht gegenseitig das Lebensrecht streitig.

Unsere Sehnsucht nach Frieden, nach ungebrochener Gemeinschaft ist mit Jesus in Erfüllung gegangen. Seine Liebe ist die Kraft, die in uns Menschen ist und uns und die Welt verwandeln kann - aus einem toten Baumstumpf wächst neues Leben.

Und doch leben wir noch in einer Welt, die uns wie ein toter Baumstumpf erscheint. Und doch ist allem Augenschein zum Trotz neues Leben aufgebrochen.

Mitten im verwundeten Leben spüren wir in unserer Seele, wenn wir uns dafür öffnen, die Kraft dieses neuen Lebens. Klein, leicht zu übersehen, gefährdet zu zerfallen, aber: Es ist da.

An vielen Orten stehen die weihnachtlich geschmückten Tannenbäume, Glitzer oder Lichterketten tauchen vieles in Licht, was sonst im Dunkeln bleibt.

Zugleich hüllt es manches ein, was nicht so gerne gesehen und gezeigt wird - das Licht, aus dem das heilige und unendliche Licht Gottes aufscheint. Und wie sehr sehnen wir uns nach diesem Licht.

Weihnachten bringt uns Jahr für Jahr mit unserer Sehnsucht nach heilem, gelingendem Leben in Berührung. Einem Leben, in dem nicht das Vordergründige zählt, in dem nicht nach Hörensagen abgeurteilt wird und mit dem ersten Blick das vernichtende Urteil gesprochen wird: "So einer oder so eine bist du also ..."

Weihnachten bringt uns mit unserer Sehnsucht nach einem gerechten Leben in Berührung. Einem Leben, in dem auch die Schwächeren und Langsameren eine Chance haben. Einem Leben, in dem die Menschen einander ebenbürtig, auf Augenhöhe begegnen. Einem Leben, das nicht auf Kosten anderer geführt wird, wo es weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Weihnachten erinnert uns Jahr für Jahr an unsere Sehnsucht nach Heil und Frieden, dass alles Zwielichtige und Zweideutige verschwunden sein möge.

Vielleicht verspüren wir auch den Wunsch, noch einmal neu anfangen zu dürfen, frei von quälenden Zweifeln und unbelastet von dunklen Erfahrungen, noch einmal alle Möglichkeiten offen zu haben, gleich einem Kind, gleich diesem Kind in der Krippe - das ist unsere Lebenssehnsucht.

Es ist eine Sehnsucht, die die sich nicht mit dem Vorfindlichen abgibt, sondern von der Hoffnung auf Größeres lebt. Sie lebt von der Begegnung mit Gott, die unser Leben verwandelt.

Die Sehnsucht wartet auf das Wunder des neuen Lebens.

Die Bibel berichtet uns in einem wunderschönen Gedicht über diese Sehnsucht. Dieses Lied singt uns mitten ins Herz.

Es wird ein Mensch kommen, in dem Gottes Geist ganz und ungebrochen da ist. Dieser Mensch hat den Geist der Weisheit, den Geist des Verstandes, den Geist des Rates und den Geist der Stärke.

Dieser Mensch verändert die Welt. Er wagt das Neue mitten im Alten. Sein Antlitz sehen wir an Weihnachten in der Krippe.

Seine Liebe ist die Kraft, die Menschen verwandelt - aus einem toten Baumstumpf entsteht ein neues Reis des Lebens.

Dieser Mensch Jesus ist unser Bruder. Er innert uns daran, was wir in Wahrheit sind: Gottes Kinder. In uns allen will dieses Licht aufleuchten - gerade so, wie unser Leben ausschaut, strahlt unser göttliches Licht in diese Welt hinaus, wenn wir uns mit den himmlischen Kräften verbinden.

Dieses Licht zeigt uns auch die Schatten dieser Welt, unsere Schatten. Aber es verurteilt nicht, sondern heilt, bringt Frieden in die Wunden dieser Welt.

Widersprüchliches kann beieinander sein. Wolf und Lamm, Kalb und Löwe, Kinder und Schlangen - sie alle leben friedlich in einer Welt, machen sich nicht gegenseitig das Lebensrecht streitig.

Unsere Sehnsucht nach Frieden, nach ungebrochener Gemeinschaft ist mit Jesus in Erfüllung gegangen. Seine Liebe ist die Kraft, die in uns Menschen ist und uns und die Welt verwandeln kann - aus einem toten Baumstumpf wächst neues Leben.

Und doch leben wir noch in einer Welt, die uns wie ein toter Baumstumpf erscheint. Und doch ist allem Augenschein zum Trotz neues Leben aufgebrochen.

Mitten im verwundeten Leben spüren wir in unserer Seele, wenn wir uns dafür öffnen, die Kraft dieses neuen Lebens. Klein, leicht zu übersehen, gefährdet zu zerfallen, aber: Es ist da.

 
 
 

Unsere Sehnsucht ist der Anfang einer Veränderung unseres Alltags.

Öffnen wir uns dieser Kraft, lassen sie durch uns hindurchfließen und verströmen sie liebevoll, demütig, mutig und voller Hoffnung - versinnbildlicht in diesem Pilz, der aus dem abgestorbenen Baumstumpf wächst und unsere Sehnsucht nach Heilwerden, nach Frieden in dieser Welt, erinnert.

Lassen Sie uns dies in unserem eigenen Herzen erfahren. Dann ist Weihnachten.

Lichtvolle und friedvolle Weihnachten!

Unsere Sehnsucht ist der Anfang einer Veränderung unseres Alltags.

Öffnen wir uns dieser Kraft, lassen sie durch uns hindurchfließen und verströmen sie liebevoll, demütig, mutig und voller Hoffnung - versinnbildlicht in diesem Pilz, der aus dem abgestorbenen Baumstumpf wächst und unsere Sehnsucht nach Heilwerden, nach Frieden in dieser Welt, erinnert.

Lassen Sie uns dies in unserem eigenen Herzen erfahren. Dann ist Weihnachten.

Lichtvolle und friedvolle Weihnachten!

 

Eine Predigt von Pfarrerin Margot Lenz zum Dritten Advent

 

 

Veröffentlicht am 17. Dezember 2018

Liebe Gemeinde,

Weihnachten rückt näher. Nur noch acht Tage, bis wir an Heilig Abend in den Gottesdiensten zusammenkommen, um die Geburt Jesu zu feiern - und einander später die Geschenke überreichen, bang oder froh hoffend, dass sie dem Beschenkten auch gefallen mögen.

Daran schließen sich die Feiertage an, die unter der Prämisse stehen: vertragt euch, denn es ist doch Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens.

Und regelmäßig scheitern wir daran, denn Druck und das enge Miteinander während der Feiertage sind keine hilfreichen Voraussetzungen, um gut miteinander umzugehen.

Auch im Brief des Paulus an die Römer steht eine Aufforderung zu friedlichem Miteinander im Zentrum.

Wohl keine Handlungsanweisung für den weihnachtlichen Familienfrieden, sondern für das zusammen leben, zusammen feiern, zusammen beten in einer christlichen Gemeinde.

Es ist auch eher eine Ermutigung, denn sie steht nicht für sich allein. Sie ist verbunden mit Gott und der Weise, wie er sich uns Menschen zuwendet und mit uns umgehen will.

Liebe Gemeinde,

Weihnachten rückt näher. Nur noch acht Tage, bis wir an Heilig Abend in den Gottesdiensten zusammenkommen, um die Geburt Jesu zu feiern - und einander später die Geschenke überreichen, bang oder froh hoffend, dass sie dem Beschenkten auch gefallen mögen.

Daran schließen sich die Feiertage an, die unter der Prämisse stehen: vertragt euch, denn es ist doch Weihnachten, das Fest der Liebe und des Friedens.

Und regelmäßig scheitern wir daran, denn Druck und das enge Miteinander während der Feiertage sind keine hilfreichen Voraussetzungen, um gut miteinander umzugehen.

Auch im Brief des Paulus an die Römer steht eine Aufforderung zu friedlichem Miteinander im Zentrum.

Wohl keine Handlungsanweisung für den weihnachtlichen Familienfrieden, sondern für das zusammen leben, zusammen feiern, zusammen beten in einer christlichen Gemeinde.

Es ist auch eher eine Ermutigung, denn sie steht nicht für sich allein. Sie ist verbunden mit Gott und der Weise, wie er sich uns Menschen zuwendet und mit uns umgehen will.

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Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig und mit dem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre. Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Beschneidung geworden und der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind; die Heiden aber sollen Gott die Ehre geben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): "Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen." Und wiederum heißt es (5. Mose 32,43): "Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!" Und wiederum (Psalm 117,1): "Lobet den Herrn, alle Heiden, und preisen sollen ihn alle Völker!" Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): "Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker; auf den werden die Völker hoffen." Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Brief an die Römer, Kapitel 15, die Verse 4 bis 13

 

 

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Es ist ein seltsamer Zwiespalt, in dem wir in diesen Tagen stecken. Einerseits berührt uns die Botschaft von der rücksichtsvollen und verständnisvollen gegenseitigen Annahme sehr. Ja, so sollte es sein, sagen wir insgeheim.

Andererseits wissen wir auch, dass wir in diesen Wochen vieles sowohl im Kopf als auch auf unserer To-do-Liste haben. Plätzchen backen, Geschenke besorgen, Karten oder Weihnachtsmails schreiben. Weihnachtsaufführungen und -konzerte gestalten und besuchen. Die Krippenspiele einüben, Klassenarbeiten schreiben und korrigieren. Und jede und jeder unter uns kann die Liste noch beliebig ergänzen.

Andererseits höre ich so oft den Wunsch, die Bremse reinzuhauen, sich Zeit zu nehmen, im Advent nach innen zu gehen, sich bewusst werden, was das eigene Leben wirklich stärkt und ermutigt.

Und ich erinnere mich an kurze Momente in der vergangenen Woche, in denen die Zeit wie stillstand und etwas von der Besinnung zu spüren und erleben war, die im Advent immer wieder beschworen wird: beim Hören der Stubenmusik anlässlich des Jubilar-Seniorennachmittags. Da wurde es ganz still und nachdenklich, Atemholen für einen Moment.

Oder der Gottesdienst im Gemeindezentrum mit den Schülern und Schülerinnen der Hermann-Gmeiner-Schule: es war erstaunlich, wie ernsthaft und engagiert diese Kinder und Jugendlichen dabei waren, die in ihren Familien wohl nicht viel von der Geborgenheit erfahren, die die Weihnachtszeit ausmacht.

Und auch die Adventsbesinnung am vergangenen Freitag im Marienheim, die Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn gehalten hat: zur Ruhe kommen bei Wort und Musik.

Das richtet unsere Aufmerksamkeit wieder auf den Bibeltext aus dem Römerbrief. Denn er hat Worte für uns, die nicht nur im Advent und an Weihnachten ermutigen, stärken und Freude schenken: Geduld, Trost, Barmherzigkeit, Lob, Hoffnung. Sie sind wie Lichter auf dem Weg Gottes zu uns, zu dessen Vorbereitung uns der Wochenspruch schon eingeladen hat: "Bereitet dem Herrn den Weg." (Jesaja 40,3)

Wenden wir uns diesen Lichtern zu. Da wird zunächst die Geduld erwähnt.

Geduldig zu sein, das ist für viele Menschen heute ziemlich schwer. Das Wort "Geduld" kommt vom Althochdeutschen "dulten". Das heißt "tragen, ertragen". Im Neuen Testament bedeutet das griechische Wort für Geduld eigentlich "Darunterbleiben, Ausharren, Aushalten".

Manchmal ist es zu passiv gesehen worden, als ob wir einfach alles hinnehmen müssen, wie es ist. Für Paulus hat es vielmehr die Bedeutung von Ausharren. Von Standfestigkeit in der Bedrängnis, die die Christen von außen erleben. Geduld ist bei ihm nicht passives Erleiden, sondern aktives Ausharren und Durchhalten - "beharrliche Widerstandskraft".

Wir müssen heute wieder lernen, warten zu können. Das ist nicht selbstverständlich. Wir wollen die Lösung lieber schnell sehen, so wie es auch im Berufsleben gefordert wird.

Doch es braucht seine Zeit, bis eine Blume sich entfaltet, bis aus einer unansehnlichen Pflanze eine wunderschöne Orchideenblüte wächst.

Wir brauchen auch für die eigene Entwicklung Geduld. Verwandlung geschieht langsam und manchmal unmerklich. Wachstum braucht seine Zeit. Alles, was schnell ins Kraut schießt, verdorrt auch wieder schnell.

Geduld haben heißt nicht, über alles hinwegzuschauen, was geändert werden kann und geändert werden sollte.

Aber Geduld haben darf man auch mit sich selbst und einer Situation, die nicht geändert werden kann, die eher heitere Gelassenheit erfordert. Geduld heißt aber nicht, sich für immer mit einem Konflikt zu arrangieren oder faule Kompromisse zu schließen.

In der Geduld steckt auch die Kraft, auf Veränderung und Verwandlung hinzuarbeiten. Doch in der Geduld hat die Zeit einen wichtigen Platz. Wir lassen uns und den anderen Zeit, damit sich etwas wandeln kann.

"Geduldig ausharren, darunterbleiben, aushalten" sind Tugenden, die heute kaum gefragt sind. Und doch brauchen wir sie, um andere Menschen anzunehmen, um unser Leben zu meistern und die Probleme unserer Welt hoffnungsvoll zu bestehen.

Trost ist das nächste Licht für unseren Adventsweg.

Trost ist etwas anderes als vertrösten, mit Worten, die nicht aus dem Herzen kommen oder leere Floskeln sind. Trösten heißt, mit dem sein, der allein ist, der alleingelassen ist mit seinem Schmerz, mit seiner Not, mit seinem Verlust.

Im Neuen Testament bedeutet das Wort für trösten "herbeirufen, einladen, ermuntern, mit guten Worten zusprechen". Trösten geschieht im Reden, im Zusprechen von Worten, die wieder Sinn stiften in der Sinnlosigkeit, die jeder Verlust, jedes Scheitern verursachen.

Doch trösten heißt auch: die Hand halten, über den Kopf streichen, in die Arme nehmen und so zu zeigen: ich bin bei dir, ich lasse dich in dieser schweren Zeit nicht allein.

Trost erfahren, getröstet werden bedeutet, dass ich wieder Standfestigkeit bekomme. Dass die guten Worte den Schmerz verwandeln können, dass die Trauer nicht mehr lähmt, sondern einen neuen Weg aufzeigt. Einen Weg, den auch Jesus mitgeht, der zu uns gekommen ist, in unsere Trauer, als "der Trost der ganzen Welt."

Barmherzigkeit heißt das nächste Licht für diesen Weg.

Wir müssen es zusammen denken mit der Gerechtigkeit. Erfahrene, erlebte Barmherzigkeit macht uns nicht zu Bittstellern. Sie ist vielmehr solidarische Zuwendung, die wir erleben und selbst austeilen dürfen.

Diese Solidarität drückt sich im direkten, zwischenmenschlichen Umgang aus - wenn wir an die Menschen in unserer Umgebung denken, die diese Solidarität von uns brauchen. Wenn wir an Nachbarn denken, die nicht mehr so mobil sind und die sich freuen, wenn wir ihnen eine Besorgung abnehmen.

Barmherzigkeit gepaart mit Gerechtigkeit üben wir, wenn wir in diesen Tagen an unsere fernen Nächsten denken. "Brot für die Welt" ist dabei einer unserer Partner, der unsere Unterstützung in gute Bahnen lenkt.

Auf der politischen Bühne sind Barmherzigkeit und Gerechtigkeit seltene Gäste. Doch eine Nachricht ist mir in diesen Tagen besonders aufgefallen.

Kurz vor Weihnachten haben die beiden Kriegsgegner im Jemen, die von Saudi-Arabien geführte Allianz und die Huthi-Rebellen mit ihren Verbündeten einen Waffenstillstand vereinbart. So kann den an Hunger leidenden Menschen, vor allem den Kindern, endlich geholfen werden ...

Die nächste Kerze ist die Hoffnung.

Geduld, Trost, Barmherzigkeit, begleiten uns auf dem Weg zum Stall. Dort schauen wir das dritte Licht, die Hoffnung, die in Jesus Christus in unsere dunkle Welt gekommen ist.

In dieses Kind verwandelt sich Gott, dass die Welt verwandelt werde. Nicht durch Gewalt und Stärke, doch in vielen Schritten, geduldig und beharrlich, getröstet und ermutigt, gestärkt und begleitet von der Hoffnung machen wir uns als Christen und Christinnen gemeinsam auf den Weg.

"Und dabei erfülle uns der Gott der Hoffnung mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass wir immer reicher werden an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes."

Nun fehlt noch das letzte Licht - das Lob.

Eigentlich steht es in der Reihe vor der Hoffnung. Doch das Lob ist etwas, zu dem uns Geduld, Trost, Barmherzigkeit und Hoffnung ermutigen. Wenn wir diese letzteren erfahren, dann steigt in uns die Freude auf, die uns einstimmen lässt ins Lob Gottes.

Im Loben verbinden wir uns miteinander. Im Lob drückt sich unsere tiefe Dankbarkeit aus für alles, was Gott uns zukommen lässt. Loben können wir im Singen und im Beten.

Unser Lob gilt dem Gott der Hoffnung, der uns diesen Advent bereitet. Der uns an Weihnachten erwartet, an der Krippe, mit unseren leeren oder übervollen Herzen. Der uns die Hand reicht und spricht: "Lasset fahrn, o liebe Brüder, was euch quält; was euch fehlt, ich bring alles wieder." (aus einer Strophe des Liedes "Fröhlich soll mein Herze springen")

Und wir können antworten: "Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen." (aus einer Strophe des Liedes "Ich steh an deiner Krippen hier")

Oder so: "Es ist Zeit, die Lichter leuchten schon, die Hoffnung ist schon entzündet: Es ist Zeit, dass du kommst, mach dich auf zu uns, zeig dich endlich im fremden Kind ... und lehre uns die Sprache deiner Liebe, nimm die Angst aus dem Herzen und zeig uns dein Land, wo Honig fließt und wo keiner der Liebe den Hahn abdreht, wo die Angst weg ist und das Herz wieder blüht." (nach Kristin Jahn, Anderer Advent, 04.12.2018)

Amen.

Es ist ein seltsamer Zwiespalt, in dem wir in diesen Tagen stecken. Einerseits berührt uns die Botschaft von der rücksichtsvollen und verständnisvollen gegenseitigen Annahme sehr. Ja, so sollte es sein, sagen wir insgeheim.

Andererseits wissen wir auch, dass wir in diesen Wochen vieles sowohl im Kopf als auch auf unserer To-do-Liste haben. Plätzchen backen, Geschenke besorgen, Karten oder Weihnachtsmails schreiben. Weihnachtsaufführungen und -konzerte gestalten und besuchen. Die Krippenspiele einüben, Klassenarbeiten schreiben und korrigieren. Und jede und jeder unter uns kann die Liste noch beliebig ergänzen.

Andererseits höre ich so oft den Wunsch, die Bremse reinzuhauen, sich Zeit zu nehmen, im Advent nach innen zu gehen, sich bewusst werden, was das eigene Leben wirklich stärkt und ermutigt.

Und ich erinnere mich an kurze Momente in der vergangenen Woche, in denen die Zeit wie stillstand und etwas von der Besinnung zu spüren und erleben war, die im Advent immer wieder beschworen wird: beim Hören der Stubenmusik anlässlich des Jubilar-Seniorennachmittags. Da wurde es ganz still und nachdenklich, Atemholen für einen Moment.

Oder der Gottesdienst im Gemeindezentrum mit den Schülern und Schülerinnen der Hermann-Gmeiner-Schule: es war erstaunlich, wie ernsthaft und engagiert diese Kinder und Jugendlichen dabei waren, die in ihren Familien wohl nicht viel von der Geborgenheit erfahren, die die Weihnachtszeit ausmacht.

Und auch die Adventsbesinnung am vergangenen Freitag im Marienheim, die Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn gehalten hat: zur Ruhe kommen bei Wort und Musik.

Das richtet unsere Aufmerksamkeit wieder auf den Bibeltext aus dem Römerbrief. Denn er hat Worte für uns, die nicht nur im Advent und an Weihnachten ermutigen, stärken und Freude schenken: Geduld, Trost, Barmherzigkeit, Lob, Hoffnung. Sie sind wie Lichter auf dem Weg Gottes zu uns, zu dessen Vorbereitung uns der Wochenspruch schon eingeladen hat: "Bereitet dem Herrn den Weg." (Jesaja 40,3)

Wenden wir uns diesen Lichtern zu. Da wird zunächst die Geduld erwähnt.

Geduldig zu sein, das ist für viele Menschen heute ziemlich schwer. Das Wort "Geduld" kommt vom Althochdeutschen "dulten". Das heißt "tragen, ertragen". Im Neuen Testament bedeutet das griechische Wort für Geduld eigentlich "Darunterbleiben, Ausharren, Aushalten".

Manchmal ist es zu passiv gesehen worden, als ob wir einfach alles hinnehmen müssen, wie es ist. Für Paulus hat es vielmehr die Bedeutung von Ausharren. Von Standfestigkeit in der Bedrängnis, die die Christen von außen erleben. Geduld ist bei ihm nicht passives Erleiden, sondern aktives Ausharren und Durchhalten - "beharrliche Widerstandskraft".

Wir müssen heute wieder lernen, warten zu können. Das ist nicht selbstverständlich. Wir wollen die Lösung lieber schnell sehen, so wie es auch im Berufsleben gefordert wird.

Doch es braucht seine Zeit, bis eine Blume sich entfaltet, bis aus einer unansehnlichen Pflanze eine wunderschöne Orchideenblüte wächst.

Wir brauchen auch für die eigene Entwicklung Geduld. Verwandlung geschieht langsam und manchmal unmerklich. Wachstum braucht seine Zeit. Alles, was schnell ins Kraut schießt, verdorrt auch wieder schnell.

Geduld haben heißt nicht, über alles hinwegzuschauen, was geändert werden kann und geändert werden sollte.

Aber Geduld haben darf man auch mit sich selbst und einer Situation, die nicht geändert werden kann, die eher heitere Gelassenheit erfordert. Geduld heißt aber nicht, sich für immer mit einem Konflikt zu arrangieren oder faule Kompromisse zu schließen.

In der Geduld steckt auch die Kraft, auf Veränderung und Verwandlung hinzuarbeiten. Doch in der Geduld hat die Zeit einen wichtigen Platz. Wir lassen uns und den anderen Zeit, damit sich etwas wandeln kann.

"Geduldig ausharren, darunterbleiben, aushalten" sind Tugenden, die heute kaum gefragt sind. Und doch brauchen wir sie, um andere Menschen anzunehmen, um unser Leben zu meistern und die Probleme unserer Welt hoffnungsvoll zu bestehen.

Trost ist das nächste Licht für unseren Adventsweg.

Trost ist etwas anderes als vertrösten, mit Worten, die nicht aus dem Herzen kommen oder leere Floskeln sind. Trösten heißt, mit dem sein, der allein ist, der alleingelassen ist mit seinem Schmerz, mit seiner Not, mit seinem Verlust.

Im Neuen Testament bedeutet das Wort für trösten "herbeirufen, einladen, ermuntern, mit guten Worten zusprechen". Trösten geschieht im Reden, im Zusprechen von Worten, die wieder Sinn stiften in der Sinnlosigkeit, die jeder Verlust, jedes Scheitern verursachen.

Doch trösten heißt auch: die Hand halten, über den Kopf streichen, in die Arme nehmen und so zu zeigen: ich bin bei dir, ich lasse dich in dieser schweren Zeit nicht allein.

Trost erfahren, getröstet werden bedeutet, dass ich wieder Standfestigkeit bekomme. Dass die guten Worte den Schmerz verwandeln können, dass die Trauer nicht mehr lähmt, sondern einen neuen Weg aufzeigt. Einen Weg, den auch Jesus mitgeht, der zu uns gekommen ist, in unsere Trauer, als "der Trost der ganzen Welt."

Barmherzigkeit heißt das nächste Licht für diesen Weg.

Wir müssen es zusammen denken mit der Gerechtigkeit. Erfahrene, erlebte Barmherzigkeit macht uns nicht zu Bittstellern. Sie ist vielmehr solidarische Zuwendung, die wir erleben und selbst austeilen dürfen.

Diese Solidarität drückt sich im direkten, zwischenmenschlichen Umgang aus - wenn wir an die Menschen in unserer Umgebung denken, die diese Solidarität von uns brauchen. Wenn wir an Nachbarn denken, die nicht mehr so mobil sind und die sich freuen, wenn wir ihnen eine Besorgung abnehmen.

Barmherzigkeit gepaart mit Gerechtigkeit üben wir, wenn wir in diesen Tagen an unsere fernen Nächsten denken. "Brot für die Welt" ist dabei einer unserer Partner, der unsere Unterstützung in gute Bahnen lenkt.

Auf der politischen Bühne sind Barmherzigkeit und Gerechtigkeit seltene Gäste. Doch eine Nachricht ist mir in diesen Tagen besonders aufgefallen.

Kurz vor Weihnachten haben die beiden Kriegsgegner im Jemen, die von Saudi-Arabien geführte Allianz und die Huthi-Rebellen mit ihren Verbündeten einen Waffenstillstand vereinbart. So kann den an Hunger leidenden Menschen, vor allem den Kindern, endlich geholfen werden ...

Die nächste Kerze ist die Hoffnung.

Geduld, Trost, Barmherzigkeit, begleiten uns auf dem Weg zum Stall. Dort schauen wir das dritte Licht, die Hoffnung, die in Jesus Christus in unsere dunkle Welt gekommen ist.

In dieses Kind verwandelt sich Gott, dass die Welt verwandelt werde. Nicht durch Gewalt und Stärke, doch in vielen Schritten, geduldig und beharrlich, getröstet und ermutigt, gestärkt und begleitet von der Hoffnung machen wir uns als Christen und Christinnen gemeinsam auf den Weg.

"Und dabei erfülle uns der Gott der Hoffnung mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass wir immer reicher werden an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes."

Nun fehlt noch das letzte Licht - das Lob.

Eigentlich steht es in der Reihe vor der Hoffnung. Doch das Lob ist etwas, zu dem uns Geduld, Trost, Barmherzigkeit und Hoffnung ermutigen. Wenn wir diese letzteren erfahren, dann steigt in uns die Freude auf, die uns einstimmen lässt ins Lob Gottes.

Im Loben verbinden wir uns miteinander. Im Lob drückt sich unsere tiefe Dankbarkeit aus für alles, was Gott uns zukommen lässt. Loben können wir im Singen und im Beten.

Unser Lob gilt dem Gott der Hoffnung, der uns diesen Advent bereitet. Der uns an Weihnachten erwartet, an der Krippe, mit unseren leeren oder übervollen Herzen. Der uns die Hand reicht und spricht: "Lasset fahrn, o liebe Brüder, was euch quält; was euch fehlt, ich bring alles wieder." (aus einer Strophe des Liedes "Fröhlich soll mein Herze springen")

Und wir können antworten: "Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen." (aus einer Strophe des Liedes "Ich steh an deiner Krippen hier")

Oder so: "Es ist Zeit, die Lichter leuchten schon, die Hoffnung ist schon entzündet: Es ist Zeit, dass du kommst, mach dich auf zu uns, zeig dich endlich im fremden Kind ... und lehre uns die Sprache deiner Liebe, nimm die Angst aus dem Herzen und zeig uns dein Land, wo Honig fließt und wo keiner der Liebe den Hahn abdreht, wo die Angst weg ist und das Herz wieder blüht." (nach Kristin Jahn, Anderer Advent, 04.12.2018)

Amen.

 

Eine Meditation zur Feier des Totengedenkens am Ewigkeitssonntag

 

 

Veröffentlicht am 25. November 2018

An diesem Ort des Abschiednehmens kommen wir zusammen - und es bewegen uns ganz unterschiedliche Empfindungen.

Für manche von uns ist es gerade ein paar Tage oder Wochen her, dass sie hier Abschied von einem vertrauten und geliebten Menschen genommen haben. Andere leben schon beinahe ein Jahr, oder noch länger, ohne die ihnen vertrauten Menschen.

Manche können von ihrem Angehörigen sagen: er oder sie starb alt und lebenssatt. Sie haben sich auf den Tod ausgerichtet und er kam als erwartete Vollendung eines bewegten Lebens. Für andere ist der Tod in ein junges, aktives Leben eingebrochen und hat es viel zu früh beendet.

Was wir heute auch immer fühlen und empfinden, wir sind als Gemeinschaft zusammengekommen, wir begleiten einander und teilen den Schmerz und die Erinnerung an unsere Verstorbenen.

Wir nennen ihre Namen - oder bewahren in der Erinnerung die Namen derjenigen, von denen wir bereits vor längerer Zeit Abschied nehmen mussten.

Der Name ist ein wichtiger Teil unserer Identität. Nennt uns jemand beim Namen, so werden wir aus der Anonymität herausgerufen. Durch ihn werden wir ansprechbar. Wir werden erkannt und es verbindet sich mit unserem Namen unsere ganz persönliche Lebensgeschichte.

Wenn es in dieser Welt niemanden mehr gibt, der unseren Namen kennt und nennt, so erlöscht die Erinnerung an uns und damit auch unsere Lebensgeschichte.

In der Bibel finden wir zwei Gedanken, die dieser Zwangsläufigkeit widersprechen.

Im Lukasevangelium lesen wir: "Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind." (Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 20)

Dahinter steht die Vorstellung, ja das Vertrauen, dass unsere Identität, unser So-sein, unser unverwechselbares Leben bei Gott bewahrt bleibt. Auch wenn wir hier auf Erden schon lange vergessen sind - Gott vergisst uns nicht und bewahrt unsere Namen.

Der zweite Gedanke bezieht sich auf einen Vers im Alten Testament: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein, spricht Gott." (Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 43, Vers 1)

Gott, der uns durch sein schöpferisches Wort ins Leben gerufen hat, ruft uns zu sich, wenn wir uns verlieren. Auch wenn der Tod zu uns kommt und sich unser Leben auflöst, bleibt bestehen, was Gott unverwechselbar in uns gelegt hat. Ja, es wird vollendet und erfüllt, was in uns angelegt war und sich nicht entwickeln konnte.

Oft sagen wir: "nach dem Tod ist alles aus", denn wir gehen von dem Sichtbaren aus, das sich uns nun entzieht. Ja, der verstorbene Mensch ist nicht mehr bei uns, das sehen wir und dem können wir nicht entgehen.

Aber können wir alles sehen und wissen? - Ich denke nicht. Ich glaube und vertraue, dass unser unsichtbares Wesen sich verwandelt und erfüllt bei Gott, der uns bei unserem Namen nennt und unsere Namen bewahrt in seiner Gegenwart.

Amen.

An diesem Ort des Abschiednehmens kommen wir zusammen - und es bewegen uns ganz unterschiedliche Empfindungen.

Für manche von uns ist es gerade ein paar Tage oder Wochen her, dass sie hier Abschied von einem vertrauten und geliebten Menschen genommen haben. Andere leben schon beinahe ein Jahr, oder noch länger, ohne die ihnen vertrauten Menschen.

Manche können von ihrem Angehörigen sagen: er oder sie starb alt und lebenssatt. Sie haben sich auf den Tod ausgerichtet und er kam als erwartete Vollendung eines bewegten Lebens. Für andere ist der Tod in ein junges, aktives Leben eingebrochen und hat es viel zu früh beendet.

Was wir heute auch immer fühlen und empfinden, wir sind als Gemeinschaft zusammengekommen, wir begleiten einander und teilen den Schmerz und die Erinnerung an unsere Verstorbenen. Wir nennen ihre Namen - oder bewahren in der Erinnerung die Namen derjenigen, von denen wir bereits vor längerer Zeit Abschied nehmen mussten.

Der Name ist ein wichtiger Teil unserer Identität. Nennt uns jemand beim Namen, so werden wir aus der Anonymität herausgerufen. Durch ihn werden wir ansprechbar. Wir werden erkannt und es verbindet sich mit unserem Namen unsere ganz persönliche Lebensgeschichte.

Wenn es in dieser Welt niemanden mehr gibt, der unseren Namen kennt und nennt, so erlöscht die Erinnerung an uns und damit auch unsere Lebensgeschichte.

In der Bibel finden wir zwei Gedanken, die dieser Zwangsläufigkeit widersprechen. Im Lukasevangelium lesen wir: "Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind." (Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 20)

Dahinter steht die Vorstellung, ja das Vertrauen, dass unsere Identität, unser So-sein, unser unverwechselbares Leben bei Gott bewahrt bleibt. Auch wenn wir hier auf Erden schon lange vergessen sind - Gott vergisst uns nicht und bewahrt unsere Namen.

Der zweite Gedanke bezieht sich auf einen Vers im Alten Testament: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein, spricht Gott." (Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 43, Vers 1)

Gott, der uns durch sein schöpferisches Wort ins Leben gerufen hat, ruft uns zu sich, wenn wir uns verlieren. Auch wenn der Tod zu uns kommt und sich unser Leben auflöst, bleibt bestehen, was Gott unverwechselbar in uns gelegt hat. Ja, es wird vollendet und erfüllt, was in uns angelegt war und sich nicht entwickeln konnte.

Oft sagen wir: "nach dem Tod ist alles aus", denn wir gehen von dem Sichtbaren aus, das sich uns nun entzieht. Ja, der verstorbene Mensch ist nicht mehr bei uns, das sehen wir und dem können wir nicht entgehen.

Aber können wir alles sehen und wissen? - Ich denke nicht. Ich glaube und vertraue, dass unser unsichtbares Wesen sich verwandelt und erfüllt bei Gott, der uns bei unserem Namen nennt und unsere Namen bewahrt in seiner Gegenwart.

Amen.

 

Eine Ansprache von Pfarrerin Susanne Richter zur Jahreslosung anlässlich der Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Gefallenendenkmal

 

 

Veröffentlicht am 18. November 2018

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Suche Frieden und jage ihm nach!
Buch der Psalmen, Kapitel 34, Vers 15b

 

 

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Dieses Wort aus dem hebräischen Gebetbuch der Bibel, den Psalmen, soll heute im Mittelpunkt dieser Gedenkfeier stehen. Im hebräischen Denken bedeutet das Wort "Frieden" weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe.

"Schalom" meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. "Schalom" ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.

"Könnte ich doch hören, was Gott, der Herr, redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten. Doch ist ja
seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserem Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue." (Buch der Psalmen, Kapitel 85, die Verse 9 bis 12)

Diese Friedensbotschaft ist Kern aller prophetischer Verkündigung und Erwartung. So hofft und verheißt der Prophet Micha: "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Buch des Propheten Micha, Kapitel 4, Vers 3)

Letztlich kann nach der Vorstellung nur einer die zerstörte und zerstrittene, von Gott abgefallene Schöpfung am Ende der Zeiten zurechtbringen und heilen: der von Gott eingesetzte Friedenskönig, der von Israel sehnsüchtig erwartete Messias.

Die Hoffnung auf das Ende von Chaos und Zerstörung und ein alle und alles umfassendes Friedensreich zieht sich durch die ganze Bibel. Sie berichtet aber auch von Mord und Totschlag, Streit und Unversöhnlichkeit. Mitten hinein erklingt deshalb immer wieder der Ruf: "Suche Frieden und jage ihm nach!"

Jesus sagt im Johannesevangelium: "Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." (Evangelium des Johannes, Kapitel 14, Vers 27)

Welche Friedensverheißung an diesem Ort heute am Volkstrauertag! Wir gedenken der vielen Menschen der beiden Weltkriege, die ihr Leben verloren haben. Wir gedenken der Opfer von Gewalt und Terror auf der ganzen Welt.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Die Sehnsucht nach Frieden ist in jedem und jeder von uns, davon bin ich überzeugt. Doch die Art und Weise, den Frieden zu erreichen, ist in uns sehr unterschiedlich. Ich möchte eine Sichtweise heute in den Vordergrund stellen, die an die biblischen Visionen anknüpft, aber auch über sie hinausgeht.

Frieden auf dieser Welt kann es nur geben, wenn jede und jeder von uns den Frieden im eigenen Herzen trägt, mit sich selbst und seinem Leben in Frieden kommt. Und das bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Es geht darum, mit Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe, auch, wenn ich sie im Nachhinein für falsch halte, Frieden zu schließen. Es geht ganz konkret darum, mit Menschen, die mir wehgetan haben, die mich verlassen haben, mich zu versöhnen.

Und im Tiefsten geht es darum, mit meiner Person, so, wie ich geworden bin, mit meinen Kompetenzen und Schwächen, Fehlern und meinem Irrtum in Frieden zu kommen.

Noch einmal: Wenn ich mit mir ganz persönlich und mit all den Menschen um mich herum und in der Ferne Frieden schließe, dann strahle ich diesen Frieden aus. Dann begegne ich anderen Menschen mit Frieden.

Vielleicht haben Sie das auch schon beobachten können im Alltag. Stellen Sie sich vor, alle Menschen auf dieser Erde würden so in Frieden kommen mit ihrem Leben, so, wie es ist. Würde es dann noch Gewalt, Terror und Krieg geben?

Vielleicht sind Ihnen diese Vorstellungen sehr fremd. Das kann ich gut verstehen. Unser Leben vollzieht sich in der Regel ja auch nicht so, sondern unser Alltag ist auf Feindbildern aufgebaut, die Medien zeigen es uns immer wieder. Damit docken sie an unsere destruktiven Kräfte an.

Wie gut, dass unser christlicher Glaube eine andere Wahrheit für uns bereithält: einen Frieden, der alles übersteigt, was wir kennen.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Dann kann die Verheißung des Micha Wirklichkeit werden: "Sie werden ihre Schwerter zur Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

Amen.

Dieses Wort aus dem hebräischen Gebetbuch der Bibel, den Psalmen, soll heute im Mittelpunkt dieser Gedenkfeier stehen. Im hebräischen Denken bedeutet das Wort "Frieden" weit mehr als nur die Abwesenheit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe.

"Schalom" meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. "Schalom" ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.

"Könnte ich doch hören, was Gott, der Herr, redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten. Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserem Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue." (Buch der Psalmen, Kapitel 85, die Verse 9 bis 12)

Diese Friedensbotschaft ist Kern aller prophetischer Verkündigung und Erwartung. So hofft und verheißt der Prophet Micha: "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Buch des Propheten Micha, Kapitel 4, Vers 3)

Letztlich kann nach der Vorstellung nur einer die zerstörte und zerstrittene, von Gott abgefallene Schöpfung am Ende der Zeiten zurechtbringen und heilen: der von Gott eingesetzte Friedenskönig, der von Israel sehnsüchtig erwartete Messias.

Die Hoffnung auf das Ende von Chaos und Zerstörung und ein alle und alles umfassendes Friedensreich zieht sich durch die ganze Bibel. Sie berichtet aber auch von Mord und Totschlag, Streit und Unversöhnlichkeit. Mitten hinein erklingt deshalb immer wieder der Ruf: "Suche Frieden und jage ihm nach!"

Jesus sagt im Johannesevangelium: "Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." (Evangelium des Johannes, Kapitel 14, Vers 27)

Welche Friedensverheißung an diesem Ort heute am Volkstrauertag! Wir gedenken der vielen Menschen der beiden Weltkriege, die ihr Leben verloren haben. Wir gedenken der Opfer von Gewalt und Terror auf der ganzen Welt.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Die Sehnsucht nach Frieden ist in jedem und jeder von uns, davon bin ich überzeugt. Doch die Art und Weise, den Frieden zu erreichen, ist in uns sehr unterschiedlich. Ich möchte eine Sichtweise heute in den Vordergrund stellen, die an die biblischen Visionen anknüpft, aber auch über sie hinausgeht.

Frieden auf dieser Welt kann es nur geben, wenn jede und jeder von uns den Frieden im eigenen Herzen trägt, mit sich selbst und seinem Leben in Frieden kommt. Und das bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Es geht darum, mit Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe, auch, wenn ich sie im Nachhinein für falsch halte, Frieden zu schließen. Es geht ganz konkret darum, mit Menschen, die mir wehgetan haben, die mich verlassen haben, mich zu versöhnen.

Und im Tiefsten geht es darum, mit meiner Person, so, wie ich geworden bin, mit meinen Kompetenzen und Schwächen, Fehlern und meinem Irrtum in Frieden zu kommen.

Noch einmal: Wenn ich mit mir ganz persönlich und mit all den Menschen um mich herum und in der Ferne Frieden schließe, dann strahle ich diesen Frieden aus. Dann begegne ich anderen Menschen mit Frieden.

Vielleicht haben Sie das auch schon beobachten können im Alltag. Stellen Sie sich vor, alle Menschen auf dieser Erde würden so in Frieden kommen mit ihrem Leben, so, wie es ist. Würde es dann noch Gewalt, Terror und Krieg geben?

Vielleicht sind Ihnen diese Vorstellungen sehr fremd. Das kann ich gut verstehen. Unser Leben vollzieht sich in der Regel ja auch nicht so, sondern unser Alltag ist auf Feindbildern aufgebaut, die Medien zeigen es uns immer wieder. Damit docken sie an unsere destruktiven Kräfte an.

Wie gut, dass unser christlicher Glaube eine andere Wahrheit für uns bereithält: einen Frieden, der alles übersteigt, was wir kennen.

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Dann kann die Verheißung des Micha Wirklichkeit werden: "Sie werden ihre Schwerter zur Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

Amen.

 

Eine Predigt von Pfarrerin Susanne Richter zur Freiheit hinter dem Königlichen Gesetz der Nächstenliebe

 

 

Veröffentlicht am 15. Oktober 2018

Liebe Gemeinde,

ich sitze im Urlaub im Café und beobachte die Menschen um mich herum. Da schreit ein Kind. Die Mutter kann es nicht beruhigen. Das Kind ist wütend und trotzig. Die Familie des Mädchens hinter mir lacht.

Das Mädchen möchte Pommes essen. Irgendwann sagt die Mutter: "Nein! Es gibt jetzt keine Pommes mehr. Das interessiert mich jetzt nicht mehr."

Meine Bekannte sagt: "Hat jemand das Kind mal gefragt, was es möchte, warum es schreit." Ich überlege mir, was sind das wohl für Menschen, die so mit ihrer Tochter und Enkelin umgehen?

Wie oberflächlich. Es tut mir in der Seele weh. Ich habe Mitgefühl mit dem Mädchen. Und ich rege mich über die Erwachsenen auf.

Ich sehe einen Mann in einem Nobelschlitten vorbeifahren. Eine Frau im Minirock und hochhackigen Schuhen steigt ein.

"Was sind das wohl für oberflächliche Menschen, die es durch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit zeigen müssen, dass Sie etwas Besseres sind. Wie armselig sie wohl in ihrem Inneren sind!", denke ich mir.

Kennen Sie solche Gedanken und Momente auch? Wie schnell urteilen wir über andere Menschen aufgrund ihres Äußeren oder ihres Verhaltens. Doch oft kennen wir sie überhaupt nicht. Und doch lassen wir uns verführen, sie zu verurteilen.

"Der Schein trügt" ist ein Sprichwort, das mich zurückhaltender werden lässt. Es steht mir nicht zu, andere Menschen aufgrund ihres Äußeren oder ihres Verhaltens zu beurteilen oder gar zu verurteilen.

Doch sind wir ehrlich: Oft tun wir es. Wie schnell ist ein Urteil gefällt, ohne dass wir es uns bewusst vorgenommen haben.

Ist das ein Kennzeichen unserer Zeit? Wohl nicht. Hören wir auf unseren heutigen Predigttext aus dem Jakobusbrief:

Liebe Gemeinde,

ich sitze im Urlaub im Café und beobachte die Menschen um mich herum. Da schreit ein Kind. Die Mutter kann es nicht beruhigen. Das Kind ist wütend und trotzig. Die Familie des Mädchens hinter mir lacht.

Das Mädchen möchte Pommes essen. Irgendwann sagt die Mutter: "Nein! Es gibt jetzt keine Pommes mehr. Das interessiert mich jetzt nicht mehr."

Meine Bekannte sagt: "Hat jemand das Kind mal gefragt, was es möchte, warum es schreit." Ich überlege mir, was sind das wohl für Menschen, die so mit ihrer Tochter und Enkelin umgehen?

Wie oberflächlich. Es tut mir in der Seele weh. Ich habe Mitgefühl mit dem Mädchen. Und ich rege mich über die Erwachsenen auf.

Ich sehe einen Mann in einem Nobelschlitten vorbeifahren. Eine Frau im Minirock und hochhackigen Schuhen steigt ein.

"Was sind das wohl für oberflächliche Menschen, die es durch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit zeigen müssen, dass Sie etwas Besseres sind. Wie armselig sie wohl in ihrem Inneren sind!", denke ich mir.

Kennen Sie solche Gedanken und Momente auch? Wie schnell urteilen wir über andere Menschen aufgrund ihres Äußeren oder ihres Verhaltens. Doch oft kennen wir sie überhaupt nicht. Und doch lassen wir uns verführen, sie zu verurteilen.

"Der Schein trügt" ist ein Sprichwort, das mich zurückhaltender werden lässt. Es steht mir nicht zu, andere Menschen aufgrund ihres Äußeren oder ihres Verhaltens zu beurteilen oder gar zu verurteilen.

Doch sind wir ehrlich: Oft tun wir es. Wie schnell ist ein Urteil gefällt, ohne dass wir es uns bewusst vorgenommen haben.

Ist das ein Kennzeichen unserer Zeit? Wohl nicht. Hören wir auf unseren heutigen Predigttext aus dem Jakobusbrief:

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Liebe Schwestern und Brüder! Eure Anerkennung der himmlischen Macht Jesu Christi soll dazu führen, dass ihr das weltliche Ansehen von Menschen nicht zum Kriterium eures Handelns macht. Wenn nämlich in eure Versammlung eine Person eintritt, die goldene Ringe und wertvolle weiße Kleidung trägt, dann wendet ihr euch dieser Person wohl zuvorkommend zu und sagt: "Kommen Sie, hier ist ein Sitzplatz für Sie." Wenn aber eine Person eintritt, die arm ist und schäbige Kleidung trägt, dann sagt ihr wohl: "Stellen Sie sich da hinten hin oder setzen Sie sich auf die Erde neben meine Fußbank." Wenn ihr auf diese Weise den Status der Menschen zum Kriterium eures Handelns macht, habt ihr nicht nur mit zweierlei Maßstäben gemessen, sondern ihr habt euch angemaßt zu richten und euch dabei auch noch von schlechten Interessen leiten lassen. Passt auf, liebe Geschwister: Ist es nicht so, dass Gott aus allen Menschen der Welt die Armen auserwählt hat? Sie sind reich im Glauben, und für sie ist Gottes zukünftiges Königreich bestimmt, das Gott denen versprochen hat, die Gott lieben. Ihr aber habt die Armen ihrer Würde beraubt. Ist es nicht so, dass die Reichen ihre Macht gebrauchen, um euch zu schikanieren? Sie zerren euch vor die Gerichte und entehren so den guten Namen Gottes, der über euch ausgerufen wurde. Ihr handelt richtig, wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt, wie es in der Schrift steht: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Wenn ihr aber die Person anseht, sündigt ihr, und das Gesetz entlarvt euch als solche, die das Gesetz übertreten. Denn wer grundsätzlich das Gesetz beachtet, aber eine seiner Bestimmungen übertritt, hat damit das ganze Gesetz übertreten. Denn Gott hat nicht nur gesagt: "Du sollst nicht ehebrechen", sondern auch: "Du sollst nicht töten." Wenn ihr nun zwar eure Ehen nicht brecht, stattdessen aber tötet, seid und bleibt ihr solche, die das Gesetz übertreten. So redet und handelt in dem Bewusstsein, dass ihr aufgrund des Gesetzes gerichtet werdet, das von Angst und Verurteilung befreit, wenn es beachtet wird. Das Gericht urteilt unbarmherzig über alle, die unbarmherzig handeln. Wer aber barmherzig ist, kann dem Gericht stolz entgegensehen.
Brief des Jakobus, Kapitel 2, die Verse 1 bis 13 aus der Bibel in gerechter Sprache

 

 

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Auch in den ersten christlichen Gemeinden zeigte sich bald nach ihrer Entstehung eine verhängnisvolle Entwicklung. Macht und Ansehen waren ungleich verteilt.

In der Gemeinde, von der Jakobus schreibt, galt nicht mehr der Grundsatz "Jeder ist gleich wertvoll, jede ist gleich wichtig". Es scheint immer mehr so zu werden: Diejenigen führen das Wort, die am meisten Geld einbringen.

Jakobus wehrt sich dagegen. Es ist nicht recht, die Reichen mehr zu achten als die Armen. Sie, die Armen, brauchen besondere Aufmerksamkeit und besondere Unterstützung.

Jesus sagt: "Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken". Jesus ist nicht gekommen, die Gesunden zu heilen, sondern die Kranken.

In der Gemeinde, die Jakobus vor Augen hat, scheint das vergessen zu sein. Ein offensichtlich armer, nicht angesehener Mensch, kommt in den Gottesdienst und ihm wird der Fußboden als Sitzplatz angeboten.

Jakobus warnt: Wenn ihr auf diese Weise die eine bevorzugt, den anderen aber zur Seite schiebt, dann habt ihr ein Urteil gefällt und euch angemaßt zu richten. Vielleicht habt ihr euch auch einen Vorteil davon versprochen, die gut angezogene Frau zu bevorzugen.

"Haltet den Glauben frei von allem Ansehen der Person." Frei vom Ansehen der Person, das heißt, nicht auf Äußerlichkeiten achten, sondern jedem Menschen die gleiche Würde und den gleichen Wert zuzugestehen. So erwarten wir es ja auch für uns selbst von den anderen. So hat uns Gott geschaffen und gedacht.

Jakobus mahnt uns: Wer sich auf Jesus Christus beruft, für den gilt dieser Maßstab: Jeder Mensch ist würdig, einzigartig und wertvoll, von Gott gewollt und geschaffen.

Jesus hat es uns immer wieder vorgelebt. Er hat sich mit denen an einen Tisch gesetzt, die von anderen verachtet wurden. Zum Beispiel mit den Zolleinnehmern. Die arbeiteten nicht nur den verhassten römischen Besatzern zu. Die wirtschafteten auch noch in die eigene Tasche.

Jesus ließ sich auch auf Frauen ein. Zum Beispiel auf jene kanaanäische Frau, die niemand von ihrem Leiden heilen konnte.

Wie wir am Beispiel der kanaanäischen Frau sehen - sie macht Jesus darauf aufmerksam, dass er nicht nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel, sondern zu allen Menschen gesandt ist. Jesus lässt sich im Herz von ihr berühren und ändert sein Verhalten.

Jesus hat die Kinder zu sich gerufen. Seine engsten Vertrauten hatten sie wegjagen wollen. Jesus sagt zu ihnen: "Lasset die Kinder zu mir kommen, denn in das Himmelreich gelangt, wer wird wie ein Kind." Er nimmt die Kinder in den Arm, legt ihnen die Hände auf und segnet sie.

Mir fällt auch die Frau ein, die wegen Ehebruchs angeklagt ist und gesteinigt werden soll. Jesus bückt sich, malt ein Zeichen in den Sand. Er nimmt sich einen Moment Zeit. Er geht in sich. Und sagt dann: "Wer von euch ohne Sünde ist, hebe den ersten Stein und werfe ihn auf diese Frau."

Es ist wohl mucksmäuschenstill und einer nach dem anderen kehrt um und geht wortlos weg. Jesus hat alle an einem wunden Punkt getroffen. Keiner ist ohne Fehler und Schwächen. Alle irren sich.

Er wendet sich der Frau zu und gibt ihr zu verstehen: Niemand hat dich verurteilt. Auch ich verurteile dich nicht. So gehe du nun auch in dein Leben und mache diesen Fehler nicht noch einmal.

Jesus hat sich immer wieder den einzelnen Menschen zugewandt. Er hat sie in ihren Herzen berührt. Er begegnete den Menschen von Herz zu Herz ohne Ansehen der Person.

Er hat sich nicht von Äußerlichkeiten oder dem Gerede der Menge ablenken lassen. Er ist sich selbst treugeblieben.

So hat er Menschen ermutigt, ebenfalls zu sich zu stehen. Er hat sie darin bestärkt, sich selbst anzunehmen mit den eigenen Fehlern und Schwächen, mit dem eigenen Irrtum.

Nur so kann Veränderung gelingen. Und nur so kann es geschehen, dass der Mensch Mensch wird. Menschen werden immer mehr Mensch, wie von Gott gedacht und geschaffen. So wird es zum Frieden im eigenen Herzen und zum Frieden auf der Welt kommen.

Jakobus erinnert die christlichen Gemeinden damals, wie uns heute, an die Richtschnur unseres Handelns. Er nennt es das königliche Gesetz: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".

Welche Menschwerdung, welche Freiheit, welcher Frieden ist mit dem Handeln nach diesem Grundsatz möglich! Es geht darum, die Nächste, den Nächsten von Herz zu Herz wahrzunehmen, so, wie Jesus mich wahrnimmt, als seine Schwester, seinen Bruder.

Ich wünsche uns allen ein solches Handeln, das von Barmherzigkeit geprägt ist. Es lässt mich meinen Mitmenschen als Gottes Geschöpf sehen. Jedes hat die gleiche Würde wie ich und dieselbe Wertschätzung verdient.

Wie menschlich wird die Welt! Gott sei Dank.

Amen.

Auch in den ersten christlichen Gemeinden zeigte sich bald nach ihrer Entstehung eine verhängnisvolle Entwicklung. Macht und Ansehen waren ungleich verteilt.

In der Gemeinde, von der Jakobus schreibt, galt nicht mehr der Grundsatz "Jeder ist gleich wertvoll, jede ist gleich wichtig". Es scheint immer mehr so zu werden: Diejenigen führen das Wort, die am meisten Geld einbringen.

Jakobus wehrt sich dagegen. Es ist nicht recht, die Reichen mehr zu achten als die Armen. Sie, die Armen, brauchen besondere Aufmerksamkeit und besondere Unterstützung.

Jesus sagt: "Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken". Jesus ist nicht gekommen, die Gesunden zu heilen, sondern die Kranken.

In der Gemeinde, die Jakobus vor Augen hat, scheint das vergessen zu sein. Ein offensichtlich armer, nicht angesehener Mensch, kommt in den Gottesdienst und ihm wird der Fußboden als Sitzplatz angeboten.

Jakobus warnt: Wenn ihr auf diese Weise die eine bevorzugt, den anderen aber zur Seite schiebt, dann habt ihr ein Urteil gefällt und euch angemaßt zu richten. Vielleicht habt ihr euch auch einen Vorteil davon versprochen, die gut angezogene Frau zu bevorzugen.

"Haltet den Glauben frei von allem Ansehen der Person." Frei vom Ansehen der Person, das heißt, nicht auf Äußerlichkeiten achten, sondern jedem Menschen die gleiche Würde und den gleichen Wert zuzugestehen. So erwarten wir es ja auch für uns selbst von den anderen. So hat uns Gott geschaffen und gedacht.

Jakobus mahnt uns: Wer sich auf Jesus Christus beruft, für den gilt dieser Maßstab: Jeder Mensch ist würdig, einzigartig und wertvoll, von Gott gewollt und geschaffen.

Jesus hat es uns immer wieder vorgelebt. Er hat sich mit denen an einen Tisch gesetzt, die von anderen verachtet wurden. Zum Beispiel mit den Zolleinnehmern. Die arbeiteten nicht nur den verhassten römischen Besatzern zu. Die wirtschafteten auch noch in die eigene Tasche.

Jesus ließ sich auch auf Frauen ein. Zum Beispiel auf jene kanaanäische Frau, die niemand von ihrem Leiden heilen konnte.

Wie wir am Beispiel der kanaanäischen Frau sehen - sie macht Jesus darauf aufmerksam, dass er nicht nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel, sondern zu allen Menschen gesandt ist. Jesus lässt sich im Herz von ihr berühren und ändert sein Verhalten.

Jesus hat die Kinder zu sich gerufen. Seine engsten Vertrauten hatten sie wegjagen wollen. Jesus sagt zu ihnen: "Lasset die Kinder zu mir kommen, denn in das Himmelreich gelangt, wer wird wie ein Kind." Er nimmt die Kinder in den Arm, legt ihnen die Hände auf und segnet sie.

Mir fällt auch die Frau ein, die wegen Ehebruchs angeklagt ist und gesteinigt werden soll. Jesus bückt sich, malt ein Zeichen in den Sand. Er nimmt sich einen Moment Zeit. Er geht in sich. Und sagt dann: "Wer von euch ohne Sünde ist, hebe den ersten Stein und werfe ihn auf diese Frau."

Es ist wohl mucksmäuschenstill und einer nach dem anderen kehrt um und geht wortlos weg. Jesus hat alle an einem wunden Punkt getroffen. Keiner ist ohne Fehler und Schwächen. Alle irren sich.

Er wendet sich der Frau zu und gibt ihr zu verstehen: Niemand hat dich verurteilt. Auch ich verurteile dich nicht. So gehe du nun auch in dein Leben und mache diesen Fehler nicht noch einmal.

Jesus hat sich immer wieder den einzelnen Menschen zugewandt. Er hat sie in ihren Herzen berührt. Er begegnete den Menschen von Herz zu Herz ohne Ansehen der Person.

Er hat sich nicht von Äußerlichkeiten oder dem Gerede der Menge ablenken lassen. Er ist sich selbst treugeblieben.

So hat er Menschen ermutigt, ebenfalls zu sich zu stehen. Er hat sie darin bestärkt, sich selbst anzunehmen mit den eigenen Fehlern und Schwächen, mit dem eigenen Irrtum.

Nur so kann Veränderung gelingen. Und nur so kann es geschehen, dass der Mensch Mensch wird. Menschen werden immer mehr Mensch, wie von Gott gedacht und geschaffen. So wird es zum Frieden im eigenen Herzen und zum Frieden auf der Welt kommen.

Jakobus erinnert die christlichen Gemeinden damals, wie uns heute, an die Richtschnur unseres Handelns. Er nennt es das königliche Gesetz: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".

Welche Menschwerdung, welche Freiheit, welcher Frieden ist mit dem Handeln nach diesem Grundsatz möglich! Es geht darum, die Nächste, den Nächsten von Herz zu Herz wahrzunehmen, so, wie Jesus mich wahrnimmt, als seine Schwester, seinen Bruder.

Ich wünsche uns allen ein solches Handeln, das von Barmherzigkeit geprägt ist. Es lässt mich meinen Mitmenschen als Gottes Geschöpf sehen. Jedes hat die gleiche Würde wie ich und dieselbe Wertschätzung verdient.

Wie menschlich wird die Welt! Gott sei Dank.

Amen.

 

Eine Predigt von Pfarrerin Rahel Kießecker und Pfarrerin Eva Knoblauch zum Jubiläum 50 Jahre Frauenordination in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

 

 

Veröffentlicht am 2. August 2018

Liebe Festgemeinde,

"ihr seid ganz schöne Einzelkämpfer, ihr evangelischen Pfarrer", sagte einmal eine Pastoralreferentin zu mir. Wir hatten gerade den Einschulungsgottesdienst miteinander geplant. "Ja, ich finde, dass ihr manchmal ganz schön einsam seid. Ich arbeite in vielen Teams. Ihr seid oft allein mit allem."

Ich schlucke das letzte Stück Butterbrezel runter, das mir fast im Hals stecken bleibt: Einsam. Und rutsche auf dem Stuhl hin und her. Einzelkämpferin. Alleinsein. Ich spüre meine Traurigkeit und spüle sie mit dem letzten Schluck lauwarmem Kaffee hinunter.

Einsamkeit auf dem Berufsweg. Sie begegnet mir auch bei den Theologinnen der ersten Stunde auf ihren Wegen. Theologiestudentinnen, manchem männlichen Kommilitonen vielleicht sogar eine Nasenlänge voraus. Und dann die Wege, die sich scheiden. Zur Pfarrgehilfin mit fast allen Pflichten reicht es. Das volle Pfarramt mit seinen Rechten bleibt verwehrt.

Einsam standen einige von ihnen da mit ihren Ideen von einer Gleichberechtigung von Mann und Frau. Mit ihrer Lust Theologie zu treiben und Gemeinde zu leiten - und stattdessen eine berufliche Sackgasse und persönliche Kränkung, weil sie das falsche Geschlecht hatten.

Ich glaube, der Antrieb der Pionierinnen war nicht der berufliche Aufstieg, sondern die Überwindung von Erniedrigung innerhalb der eigenen Reihen aufgrund der Reduzierung auf ihr Frausein.

Was hätten diese Frauen ihrem Weg für eine Überschrift gegeben? Ohnmächtig? Wütend? Ausgenutzt? Sich angepasst? Das Beste draus gemacht? Aufgegeben? Vergeben?

Die Verse des Predigttextes, den wir für diesen Festgottesdienst ausgewählt haben - sie stellen der Einsamkeit die Einigkeit an die Seite. Die Einigkeit im Geist und das Band des Friedens, das zusammenhält
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Liebe Festgemeinde,

"ihr seid ganz schöne Einzelkämpfer, ihr evangelischen Pfarrer", sagte einmal eine Pastoralreferentin zu mir. Wir hatten gerade den Einschulungsgottesdienst miteinander geplant. "Ja, ich finde, dass ihr manchmal ganz schön einsam seid. Ich arbeite in vielen Teams. Ihr seid oft allein mit allem."

Ich schlucke das letzte Stück Butterbrezel runter, das mir fast im Hals stecken bleibt: Einsam. Und rutsche auf dem Stuhl hin und her. Einzelkämpferin. Alleinsein. Ich spüre meine Traurigkeit und spüle sie mit dem letzten Schluck lauwarmem Kaffee hinunter.

Einsamkeit auf dem Berufsweg. Sie begegnet mir auch bei den Theologinnen der ersten Stunde auf ihren Wegen. Theologiestudentinnen, manchem männlichen Kommilitonen vielleicht sogar eine Nasenlänge voraus. Und dann die Wege, die sich scheiden. Zur Pfarrgehilfin mit fast allen Pflichten reicht es. Das volle Pfarramt mit seinen Rechten bleibt verwehrt.

Einsam standen einige von ihnen da mit ihren Ideen von einer Gleichberechtigung von Mann und Frau. Mit ihrer Lust Theologie zu treiben und Gemeinde zu leiten - und stattdessen eine berufliche Sackgasse und persönliche Kränkung, weil sie das falsche Geschlecht hatten.

Ich glaube, der Antrieb der Pionierinnen war nicht der berufliche Aufstieg, sondern die Überwindung von Erniedrigung innerhalb der eigenen Reihen aufgrund der Reduzierung auf ihr Frausein.

Was hätten diese Frauen ihrem Weg für eine Überschrift gegeben? Ohnmächtig? Wütend? Ausgenutzt? Sich angepasst? Das Beste draus gemacht? Aufgegeben? Vergeben?

Die Verse des Predigttextes, den wir für diesen Festgottesdienst ausgewählt haben - sie stellen der Einsamkeit die Einigkeit an die Seite. Die Einigkeit im Geist und das Band des Friedens, das zusammenhält.

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Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung.
Brief an die Gemeinde in Ephesus, Kapitel 4, die Verse 3 und 4

 

 

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Die Verse betonen, was dem Verfasser des Epheserbriefs in seinem zweiten Briefteil ohnehin wichtig ist: Dass, wer Christ ist, erlebt, dass er zur Gemeinschaft der Glaubenden gehört.

Gemeinschaft, ein Geist, ein Leib, ein Band des Friedens. Es klingt sehr harmonisch und einfach. Doch wir wissen alle, wie herausfordernd es doch manchmal sein kann, Menschen für die grundlegendste Form christlicher Gemeinschaft, den Gottesdienst, zu begeistern.

Wie anstrengend es sein kann, in einer Gemeinde Unterschiede auszuhalten und trotzdem zusammen zu arbeiten und zu leben, oder unter Kolleginnen und Kollegen. Und immer wieder aufs Neue um den einen Geist in der Kirche Jesu Christi zu ringen.

Die Gemeinschaft der Glaubenden ist eine geistliche Gemeinschaft, wenn sie ihre Vielfalt und das Unfertige an ihr als Reichtum begreift.

Was sie zusammenhält, das ist das Band des Friedens. Es ist nur ein Band und kein Webteppich, von dem der Predigttext spricht, unter den man etwa die Unterschiede, konkurrierende Interessen und Streitthemen immer schön drunter kehren könnte.

Einigkeit meint nicht, immer einer Meinung sein, in eintöniger Harmonie. Der Theologe Michael Klessmann sagt: "Ärger und Aggression in der Kirche können manchmal heilsam sein. Wenn sie mit Respekt vor dem andern ausgedrückt werden."

Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.

Was heißt das eigentlich "seid bedacht"? Schaut man im Wörterbuch nach, dann steht da: "sich eifrig zeigen, sich bemühen, bestrebt sein".

Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, dann sind wir darauf bedacht, es auch zu erreichen - tun alles dafür, werden kreativ und lassen nicht locker.

Wenn wir merken, ein Wunsch kann in Erfüllung gehen, wenn ich einen bestimmten Weg gehe - dann nehmen wir schon auch Anstrengungen in Kauf.

Wenn wir uns engagieren für eine Sache - dann spürt man es uns an, wenn wir "mit Herzblut" dabei sind.

Mit Bedacht wird ein Haus gebaut, ein Geschäft aufgebaut und geführt, die Arbeit in einem Verein getan, in einem Chor oder Orchester geprobt, Reisen geplant, Familienleben oder Karrieren geplant ...

Auch die Ordination von Frauen ist so auf den Weg gebracht worden - die Stichworte haben es hörbar gemacht: "errungen; gewandelt; viele geworden; stolz, etwas erreicht zu haben" und "willkommen geheißen".

Ein Jubiläum erinnert an den Anfang und öffnet den Blick für das, was geworden ist. Das ist bei runden Geburtstagen so und auch, wenn ein Dienstjubiläum gefeiert wird. Das wird deutlich, wenn man in den Fotoalben blättert oder die Videos vom Anfang anschaut.

Der Anfang, der Ruf, "die Berufung" ist wie ein Schatz, auf den man im Alltag zurückgreifen kann. "Weißt du noch ...?", heißt es dann oft. Und im Austausch kommen die Wurzeln wieder in den Blick, die halten und tragen und nähren.

Das gilt auch für das Leben als Christenmensch. So verschieden wie wir Menschen, Frauen und Männer, sind, so unterschiedlich ist, was uns angesprochen hat, was die Begeisterung für die frohe Botschaft von Jesus Christus geweckt hat.

Als Pfarrerin an einer Predigt arbeiten zu können, im Tagesablauf einen Zeitpunkt haben, um über einen Bibeltext nachzudenken, in manchen Situationen auf den Schatz an Lied- oder Bibelversen zurückgreifen zu können, die nicht nur mit dem Kopf gewusst, sondern auch mit dem Herzen gelebt worden sind, von anderen zu wissen oder gar im Austausch zu sein, die dies auch tun - das verbindet.

Das verbindet in einer Tiefe "durch das Band des Friedens", das durch Christi Tod und Auferstehung geworden ist, für uns:

Frauen und Männer, Pfarrerinnen und Pfarrer aus unterschiedlichen Generationen. Junge Menschen und Menschen, die auf viele gelebte Jahre zurückschauen. Menschen, die in ihrer Heimat verwurzelt schon immer leben und Menschen, die in der Fremde nach Heimat suchen. Menschen, die voller Zuversicht und Vertrauen den Alltag leben und Menschen, die durch Ereignisse und Erlebnisse erschüttert sind, voller Fragen und Zweifel.

Dieses Band des Friedens, das sind die Osterlichtspuren im Alltag und im Leben auf dieser Erde, die es hell und klar machen in Herz und Gedanken.

Dieses Band des Friedens bringt uns wieder in Erinnerung, dass wir, Schwestern und Brüder, in Jesus Christus zusammengehören, füreinander Verantwortung haben, Leib Jesu Christi sind, durch Gottes Liebe, Kraft und Barmherzigkeit miteinander verbunden und in das Leben in dieser Welt gestellt.

Amen.

Die Verse betonen, was dem Verfasser des Epheserbriefs in seinem zweiten Briefteil ohnehin wichtig ist: Dass, wer Christ ist, erlebt, dass er zur Gemeinschaft der Glaubenden gehört.

Gemeinschaft, ein Geist, ein Leib, ein Band des Friedens. Es klingt sehr harmonisch und einfach. Doch wir wissen alle, wie herausfordernd es doch manchmal sein kann, Menschen für die grundlegendste Form christlicher Gemeinschaft, den Gottesdienst, zu begeistern.

Wie anstrengend es sein kann, in einer Gemeinde Unterschiede auszuhalten und trotzdem zusammen zu arbeiten und zu leben, oder unter Kolleginnen und Kollegen. Und immer wieder aufs Neue um den einen Geist in der Kirche Jesu Christi zu ringen.

Die Gemeinschaft der Glaubenden ist eine geistliche Gemeinschaft, wenn sie ihre Vielfalt und das Unfertige an ihr als Reichtum begreift.

Was sie zusammenhält, das ist das Band des Friedens. Es ist nur ein Band und kein Webteppich, von dem der Predigttext spricht, unter den man etwa die Unterschiede, konkurrierende Interessen und Streitthemen immer schön drunter kehren könnte.

Einigkeit meint nicht, immer einer Meinung sein, in eintöniger Harmonie. Der Theologe Michael Klessmann sagt: "Ärger und Aggression in der Kirche können manchmal heilsam sein. Wenn sie mit Respekt vor dem andern ausgedrückt werden."

Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.

Was heißt das eigentlich "seid bedacht"? Schaut man im Wörterbuch nach, dann steht da: "sich eifrig zeigen, sich bemühen, bestrebt sein".

Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, dann sind wir darauf bedacht, es auch zu erreichen - tun alles dafür, werden kreativ und lassen nicht locker.

Wenn wir merken, ein Wunsch kann in Erfüllung gehen, wenn ich einen bestimmten Weg gehe - dann nehmen wir schon auch Anstrengungen in Kauf.

Wenn wir uns engagieren für eine Sache - dann spürt man es uns an, wenn wir "mit Herzblut" dabei sind.

Mit Bedacht wird ein Haus gebaut, ein Geschäft aufgebaut und geführt, die Arbeit in einem Verein getan, in einem Chor oder Orchester geprobt, Reisen geplant, Familienleben oder Karrieren geplant ...

Auch die Ordination von Frauen ist so auf den Weg gebracht worden - die Stichworte haben es hörbar gemacht: "errungen; gewandelt; viele geworden; stolz, etwas erreicht zu haben" und "willkommen geheißen".

Ein Jubiläum erinnert an den Anfang und öffnet den Blick für das, was geworden ist. Das ist bei runden Geburtstagen so und auch, wenn ein Dienstjubiläum gefeiert wird. Das wird deutlich, wenn man in den Fotoalben blättert oder die Videos vom Anfang anschaut.

Der Anfang, der Ruf, "die Berufung" ist wie ein Schatz, auf den man im Alltag zurückgreifen kann. "Weißt du noch ...?", heißt es dann oft. Und im Austausch kommen die Wurzeln wieder in den Blick, die halten und tragen und nähren.

Das gilt auch für das Leben als Christenmensch. So verschieden wie wir Menschen, Frauen und Männer, sind, so unterschiedlich ist, was uns angesprochen hat, was die Begeisterung für die frohe Botschaft von Jesus Christus geweckt hat.

Als Pfarrerin an einer Predigt arbeiten zu können, im Tagesablauf einen Zeitpunkt haben, um über einen Bibeltext nachzudenken, in manchen Situationen auf den Schatz an Lied- oder Bibelversen zurückgreifen zu können, die nicht nur mit dem Kopf gewusst, sondern auch mit dem Herzen gelebt worden sind, von anderen zu wissen oder gar im Austausch zu sein, die dies auch tun - das verbindet.

Das verbindet in einer Tiefe "durch das Band des Friedens", das durch Christi Tod und Auferstehung geworden ist, für uns:

Frauen und Männer, Pfarrerinnen und Pfarrer aus unterschiedlichen Generationen. Junge Menschen und Menschen, die auf viele gelebte Jahre zurückschauen. Menschen, die in ihrer Heimat verwurzelt schon immer leben und Menschen, die in der Fremde nach Heimat suchen. Menschen, die voller Zuversicht und Vertrauen den Alltag leben und Menschen, die durch Ereignisse und Erlebnisse erschüttert sind, voller Fragen und Zweifel.

Dieses Band des Friedens, das sind die Osterlichtspuren im Alltag und im Leben auf dieser Erde, die es hell und klar machen in Herz und Gedanken.

Dieses Band des Friedens bringt uns wieder in Erinnerung, dass wir, Schwestern und Brüder, in Jesus Christus zusammengehören, füreinander Verantwortung haben, Leib Jesu Christi sind, durch Gottes Liebe, Kraft und Barmherzigkeit miteinander verbunden und in das Leben in dieser Welt gestellt.

Amen.